Jesus Christus ist der absolute Mittelpunkt und der Schlussstein der gesamten Heiligen Schrift. Vom ersten Vers der Genesis bis zum letzten Amen der Offenbarung durchzieht ein einziger, roter Faden das gesamte biblische Zeugnis: die Person, das Werk und die Herrlichkeit des Sohnes Gottes. Das Alte Testament erwartet ihn in prophetischen Schattenbildern (Typologie), in über dreihundert messianischen Weissagungen, in den Festen Israels, in den Opfergesetzen, in der Stiftshütte und im Tempel. Das Neue Testament offenbart ihn als den fleischgewordenen Sohn Gottes, den prophezeiten Messias und den alleinigen Erlöser der Menschheit.
Sein Name fasst sein Wesen zusammen: *Jesus* (hebräisch *Jeschua*, „JHWH rettet„) ist sein Erlösername; *Christus* (griechisch *Christos*, hebräisch *Maschiach*) ist sein Amtstitel — der Gesalbte. Er vereinigt in sich die drei alttestamentlichen Salbungsämter: Prophet, Priester und König.
Zur etymologischen Herleitung siehe Hauptartikel: Jesus und Christus.
Unmittelbar nach dem Sündenfall spricht Gott das sogenannte *Protevangelium* (griech. *prōtos* = „erster“ + *euangelion* = „Evangelium„) — die erste Heilsverheißung der gesamten Bibel, gerichtet an die Schlange, aber bestimmt für die gesamte Menschheit:
Dieser eine Vers enthält die gesamte Heilsgeschichte im Keim. Er verdient eine präzise exegetische Entfaltung:
„Ihrem Samen“ — Beachte die biologische Anomalie: Die Schrift spricht vom Samen der *Frau*, nicht vom Samen des Mannes. In der gesamten biblischen Genealogie wird der Same stets dem Mann zugerechnet. Dass hier ausdrücklich vom Samen der *Frau* gesprochen wird, ist ein erster, verborgener Hinweis auf die Jungfrauengeburt: Christus wird ohne Beteiligung eines menschlichen Vaters geboren, empfangen durch den Heiligen Geist.
Dies bestätigt: *geboren von einem Weibe* — nicht *gezeugt von einem Manne*.
„Den Kopf zertreten„ — Das hebräische Verb *schuph* (שׁוּף) beschreibt ein gründliches, zermalmendes Zertreten. Das Zertreten des *Kopfes* bedeutet eine endgültige, tödliche Vernichtung der Macht Satans. Dies geschah am Kreuz:
Der Kopf — das Zentrum der Macht — wird zermalmt.
„In die Ferse stechen“ — Dasselbe Verb *schuph*, aber diesmal gegen die *Ferse* gerichtet. Eine Fersenwunde ist schmerzhaft, aber nicht tödlich. Sie verweist auf das Leiden und den Tod Christi am Kreuz — real, qualvoll, aber *vorübergehend*, denn die Auferstehung folgte. Satan konnte Jesus verwunden, aber nicht vernichten.
So enthält dieses eine Wort Gottes im Garten Eden bereits den gesamten Heilsplan: die Inkarnation (Samen der Frau), das Kreuz (Ferse gestochen), den Sieg (Kopf zertreten) und den Endkampf zwischen dem Reich Gottes und dem Reich der Finsternis (Feindschaft).
Von Genesis 3,15 spannt sich ein Bogen, der erst in Offenbarung 20,10 (*„Und der Teufel, der sie verführte, ward geworfen in den feurigen Pfuhl und Schwefel„*) sein Ziel erreicht.