Das gesamte alttestamentliche Opfersystem (mit all seinen strengen Vorschriften über reines Blut und makellose Tiere) war lediglich ein pädagogischer Wegweiser auf Golgatha. Hebräer 10,1: *„Denn das Gesetz hat nur den Schatten von den zukünftigen Gütern, nicht das Wesen der Güter selbst.„*
Johannes der Täufer erkannte dies sofort, als er am Jordan ausrief:
Als das ultimative Lamm Gottes trug er am Kreuz die Sünde der Welt. Sein Tod und seine leibhaftige Auferstehung am dritten Tag brachten die endgültige Erlösung und machten den Weg frei für die unverdiente Gnade und die Rechtfertigung des Sünders allein aus Glauben.
Bevor das Kreuz kam, betete Jesus in Gethsemane:
Der *Kelch* (griech. *potērion*) ist im Alten Testament ein feststehender Ausdruck für den *Zorn Gottes*: Jesaja 51,17: *„Wach auf, wach auf, stehe auf, Jerusalem, die du von der Hand des HERRN getrunken hast den Kelch seines Grimmes!“* und Jeremia 25,15: *„Nimm diesen Becher Weins voll Zorns von meiner Hand und schenke daraus allen Völkern.„* Der Kelch, vor dem Jesus zurückschreckte, war nicht der physische Schmerz der Kreuzigung — es war der *Zorn des heiligen Gottes über die Sünde der gesamten Menschheit*, den er als Stellvertreter trinken musste. Das Blut-Schwitzen (medizinisch *Hämatidrosis* — ein Phänomen extremsten Stresses) bezeugt die unvorstellbare Last, die auf ihn zukam.
In den letzten Stunden seines irdischen Lebens sprach Jesus sieben Worte vom Kreuz herab. Zusammen ergeben sie ein vollständiges Zeugnis seines Charakters, seines Werkes und seiner Person:
| Nr. | Wort | Schriftstelle | Bedeutung |
|---|---|---|---|
| 1 | *„Vater, vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun!“* | Lukas 23,34: *„Vater, vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun!„* | Vergebung — selbst im Moment des größten Unrechts |
| 2 | *„Heute wirst du mit mir im Paradiese sein.“* | Lukas 23,43: *„Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradiese sein.„* | Gnade — Rettung in der letzten Sekunde, ohne Werke, allein aus Glauben |
| 3 | *„Weib, siehe, das ist dein Sohn! … Siehe, das ist deine Mutter!“* | Johannes 19,26–27: *„Da nun Jesus seine Mutter sah und den Jünger dabeistehen, den er lieb hatte, spricht er zu seiner Mutter: Weib, siehe, das ist dein Sohn! Darnach spricht er zu dem Jünger: Siehe, das ist deine Mutter!„* | Fürsorge — selbst sterbend sorgt er für die Seinen |
| 4 | *„Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“* | Matthäus 27,46: *„Eli, Eli, lama asabthani? das ist: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?„* | Gottverlassenheit — er trägt die volle Wucht des Gerichts als Stellvertreter; zugleich Zitat von Psalm 22,2, dessen Ende in Triumph mündet |
| 5 | *„Mich dürstet.“* | Johannes 19,28: *„Darnach, als Jesus wusste, dass schon alles vollbracht war, spricht er, damit die Schrift erfüllet würde: Mich dürstet.„* | Wahre Menschheit — und zugleich Erfüllung von Psalm 69,22 (*„und Essig zu trinken in meinem großen Durst“*) |
| 6 | *„Es ist vollbracht!„* | Johannes 19,30: *„Da nun Jesus den Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht!“* | *Tetelestai* (griech.) — „die Schuld ist bezahlt„. Dieses Wort wurde auf antiken Quittungen geschrieben, wenn eine Schuld *vollständig beglichen* war. Das gesamte Erlösungswerk ist komplett. |
| 7 | *„Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände!“* | Lukas 23,46: *„Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände!„* | Vertrauen — er stirbt nicht als Opfer der Umstände, sondern in souveräner Hingabe an den Vater; Zitat von Psalm 31,6 (*„In deine Hände befehle ich meinen Geist“*) |
Das erste Wort und das letzte Wort beginnen beide mit „Vater„ — die Klammer der Gottessohnschaft umschließt die Finsternis des Kreuzes. Das vierte Wort (die Gottverlassenheit) steht exakt in der Mitte — im Zentrum des Kreuzes steht das Zentrum des Evangeliums: der Sündlose, der an unserer Stelle die Trennung von Gott erleidet.