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Die sieben „Ich bin"-Worte im Johannes-Evangelium

Im Johannesevangelium gebraucht Jesus sieben feierliche *Ich bin*-Aussagen (griech. *egō eimi*), die jeweils mit einem Bild verbunden sind. Jedes Wort offenbart einen Aspekt seines Wesens und seines Heilswerkes — und jedes *egō eimi* erinnert zugleich an den Gottesnamen aus 2. Mose 3,14.

Das griechische *egō eimi* (ἐγώ εἰμι) ist grammatisch auffällig: Im Griechischen ist das Personalpronomen *egō* eigentlich überflüssig, da die Verbform *eimi* bereits die erste Person Singular enthält. Durch das betonte *egō* macht Jesus deutlich, dass er nicht nur irgendeine Aussage über sich macht, sondern eine absolute, göttliche Selbstoffenbarung vollzieht. In der Septuaginta (der griechischen Übersetzung des AT) ist *egō eimi* die Übersetzung des Gottesnamens in Jesaja 43,10: Jesaja 43,10: *„Ich bin's, und vor mir ist kein Gott gemacht„* (LXX: *egō eimi*). Wenn Jesus *egō eimi* sagt, sagt er: *Ich bin JHWH.* Die Juden verstanden dies klar, denn in Johannes 8,59 (*„Da hob sie Steine auf, dass sie auf ihn würfen“*) reagieren sie mit dem Todesversuch wegen Gotteslästerung.

Neben den sieben bildlichen *Ich bin*-Worten gibt es im Johannesevangelium auch absolute, bilderlose *egō eimi*-Aussagen, die den Gottesanspruch noch direkter zum Ausdruck bringen: Johannes 8,24: *„Denn so ihr nicht glaubet, dass ich es sei, so werdet ihr sterben in euren Sünden.„* Und: Johannes 8,28: *„Wenn ihr des Menschen Sohn erhöhen werdet, dann werdet ihr erkennen, dass ich es sei.“* Und am kraftvollsten: Johannes 18,6: *„Als nun Jesus zu ihnen sprach: Ich bin's! wichen sie zurück und fielen zu Boden.„* — Allein das Aussprechen des göttlichen *egō eimi* warf die bewaffnete Kohorte zu Boden. Für einen kurzen Moment blitzte die göttliche Majestät durch die Knechtsgestalt hindurch.

Nr. „Ich bin“-Wort Schriftstelle Bedeutung
1 Das Brot des Lebens Johannes 6,35: *„Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten.„* Er stillt den tiefsten Hunger der Seele — Gegenbild zum Manna der Wüste; vgl. Brot
2 Das Licht der Welt Johannes 8,12: *„Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.“* Er vertreibt die Finsternis der Sünde und des Todes; vgl. Licht
3 Die Tür Johannes 10,9: *„Ich bin die Tür; so jemand durch mich eingeht, der wird selig werden und wird ein- und ausgehen und Weide finden.„* Der einzige Zugang zum Heil
4 Der gute Hirte Johannes 10,11: *„Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe.“* Erfüllung von Psalm 23 und Hesekiel 34; er kennt, leitet, schützt und stirbt für die Seinen
5 Die Auferstehung und das Leben Johannes 11,25: *„Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, ob er gleich stürbe.„* Er ist nicht nur der *Geber* des Lebens, sondern das Leben *selbst*
6 Der Weg, die Wahrheit und das Leben Johannes 14,6: *„Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich.“* Dreifache Exklusivität: der einzige Weg, die absolute Wahrheit, die Quelle des Lebens
7 Der wahre Weinstock Johannes 15,1: *„Ich bin der rechte Weinstock, und mein Vater der Weingärtner.„* Lebensgemeinschaft mit ihm als Voraussetzung aller Frucht; vgl. Weinstock

Die Gleichnisse Jesu

Jesus lehrte in Gleichnissen (griech. *parabolē* — „Nebeneinanderstellung“), um himmlische Wahrheiten durch irdische Bilder zu vermitteln. Matthäus 13,34: *„Solches alles redete Jesus durch Gleichnisse zu dem Volk, und ohne Gleichnis redete er nicht zu ihnen.„* Seine Gleichnisse offenbaren das Reich Gottes in seinen verschiedenen Aspekten:

Das Reich Gottes in seiner Gegenwart

Das Reich und die Gnade

Das Reich und das Gericht


Die Wunder Jesu

Die Wunder (griech. *sēmeia* — Zeichen) Jesu sind keine bloßen Machtdemonstrationen. Jedes Zeichen offenbart, *wer* er ist. Johannes 20,31: *„Diese aber sind geschrieben, dass ihr glaubet, Jesus sei Christus, der Sohn Gottes, und dass ihr durch den Glauben das Leben habet in seinem Namen.“*

Die Evangelien berichten von etwa fünfunddreißig einzeln beschriebenen Wundern und sprechen zudem summarisch von vielen weiteren: Johannes 21,25: *„Es sind auch viele andere Dinge, die Jesus getan hat; so sie aber sollten eins nach dem andern geschrieben werden, achte ich, die Welt würde die Bücher nicht begreifen, die zu schreiben wären.„* Jedes Wunder ist ein Zeichen des anbrechenden Reiches Gottes — eine Vorschau auf die zukünftige Erneuerung aller Dinge, in der Krankheit, Tod, Hunger und Chaos endgültig besiegt sein werden.

Überblick nach Kategorien

Herrschaft über die Natur

Herrschaft über Krankheit und Tod

Die drei Auferweckungen zeigen eine Steigerung: ein eben erst gestorbenes Mädchen (Jairus' Tochter), ein Jüngling auf dem Weg zum Grab (Nain) und ein vier Tage lang verwester Toter (Lazarus; Johannes 11,39: *„HERR, er stinkt schon; denn er ist vier Tage gelegen.„*). Keine Stufe des Todes widersteht seinem Wort.

Herrschaft über die Geisterwelt

Herrschaft über Schuld und Sünde


Die Verklärung auf dem Berg

Matthäus 17, 1-2 (Luther 1912) Und nach sechs Tagen nahm Jesus zu sich Petrus und Jakobus und Johannes, seinen Bruder, und führte sie beiseits auf einen hohen Berg. Und er ward verklärt vor ihnen, und sein Angesicht leuchtete wie die Sonne, und seine Kleider wurden weiß als ein Licht.

Auf dem Berg der Verklärung riss die Hülle der Kenosis für einen kurzen Moment auf, und die Jünger sahen die verborgene Herrlichkeit des Sohnes Gottes hindurchbrechen. Das griechische Wort *metemorphōthē* (μετεμορφώθη, „er wurde umgestaltet„) beschreibt nicht eine äußerliche Verkleidung, sondern das Sichtbarwerden dessen, was *innerlich immer schon da war* — seine göttliche *morphē* (Gestalt), von der Philipper 2,6 (*„welcher, ob er wohl in göttlicher Gestalt war“*) spricht.

Mose und Elija erscheinen neben ihm — das Gesetz und die Propheten versammeln sich um den, den sie seit Jahrhunderten bezeugen. Lukas 9,31: *„die erschienen in Klarheit und redeten von seinem Ausgang, welchen er sollte erfüllen zu Jerusalem.„* Sie sprachen über seinen *Ausgang* (griech. *exodos*) — sein Sterben in Jerusalem wird als *Exodus* bezeichnet: eine Befreiung, die den Exodus Israels aus Ägypten unendlich übertrifft.

Dann die Stimme des Vaters: Matthäus 17,5: *„Dies ist mein lieber Sohn, an welchem ich Wohlgefallen habe, den sollt ihr hören!“* — Die Anweisung „den sollt ihr hören“ bestätigt Jesus als den Propheten wie Mose (5. Mose 18,15: *„dem sollt ihr gehorchen„*). Petrus wollte drei Hütten bauen — eine für Jesus, eine für Mose, eine für Elija — als seien sie gleichrangig. Die Wolke des Vaters und seine Stimme korrigieren: Es gibt nur *einen*, auf den zu hören ist.