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Die zwei Naturen: Wahrer Gott und wahrer Mensch

Die Schrift bezeugt unmissverständlich, dass Jesus Christus ewig existiert. Er ist das ewige Wort (der Logos), das Fleisch wurde. Wie wir in Johannes 1,1 (*„Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort„*) lesen, is er wesenseins mit dem Vater.

Durch die Menschwerdung nahm er menschliche Gestalt an, ohne seine Göttlichkeit aufzugeben. Er ist der Erstgeborene der neuen Schöpfung und das Haupt der Gemeinde:

Kolosser 1, 15-17 (Luther 1912) welcher ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene vor allen Kreaturen. Denn durch ihn ist alles geschaffen, was im Himmel und auf Erden ist, das Sichtbare und das Unsichtbare, es seien Throne oder Herrschaften oder Fürstentümer oder Obrigkeiten; es ist alles durch ihn und zu ihm geschaffen. Und er ist vor allem, und es besteht alles in ihm.

Die volle Gottheit Christi

Die Schrift scheut sich nicht, Jesus Christus direkt *Gott* zu nennen:

Darüber hinaus empfängt Christus göttliche Anbetung — etwas, das Gott allein zusteht (Matthäus 4,10: *„Du sollst anbeten Gott, deinen HERRN, und ihm allein dienen.„*): Die Weisen beteten ihn an (Matthäus 2,11: *„und fielen nieder und beteten es an“*), die Jünger beteten ihn an nach der Auferstehung (Matthäus 28,17: *„und da sie ihn sahen, fielen sie vor ihm nieder„*), und die himmlischen Heerscharen beten das Lamm an (Offenbarung 5,12: *„Das Lamm, das erwürget ist, ist würdig, zu nehmen Kraft und Reichtum und Weisheit und Stärke und Ehre und Preis und Lob.“*). Zudem vergibt er Sünden — ein ausschließlich göttliches Vorrecht (Markus 2,7: *„Was redet dieser solche Gotteslästerung? Wer kann Sünden vergeben denn allein Gott?„*). Er nimmt auch den Glauben an, der allein Gott gebührt: Johannes 14,1: *„Ihr glaubet an Gott; glaubet auch an mich.“*

Die volle Menschheit Christi

Ebenso klar bezeugt die Schrift seine wahre, vollständige Menschennatur. Er war kein Geistwesen in menschlicher Verkleidung:

Der Hebräerbrief fasst zusammen, warum diese volle Menschheit heilsnotwendig ist:

Hebräer 2, 17-18 (Luther 1912) Daher musste er in allen Dingen seinen Brüdern gleich werden, auf dass er barmherzig würde und ein treuer Hoherpriester vor Gott, zu versöhnen die Sünden des Volks. Denn worin er gelitten hat und versucht ist, kann er helfen denen, die versucht werden.

Das Wort *musste* (griech. *ōpheilen*) ist ein theologischer Schlüsselbegriff: Die Inkarnation war keine Option, sondern eine *Notwendigkeit*. Damit Christus als Hohepriester vor Gott für die Menschen eintreten konnte, musste er einer von ihnen werden. Nur ein wirklicher Mensch konnte für Menschen sterben; nur der wahre Gott konnte den unendlichen Preis der Sünde bezahlen. Hebräer 4,15 (*„Denn wir haben nicht einen Hohenpriester, der nicht könnte Mitleiden haben mit unsern Schwachheiten, sondern der versucht ist allenthalben gleichwie wir, doch ohne Sünde.“*) — In dem Zusatz „ohne Sünde„ (griech. *chōris hamartias*) liegt der entscheidende Unterschied: Er war in *allem* versucht wie wir — nur dass er niemals sündigte. Er kannte die volle Wucht der Versuchung, ohne ihr je nachzugeben.

Die Einheit der zwei Naturen

Die göttliche und die menschliche Natur sind in der einen Person Jesu Christi *unvermischt, unverwandelt, ungetrennt und ungesondert* vereint. Kolosser 2,9: *„Denn in ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig.“* Das Wort *leibhaftig* (griech. *sōmatikōs*) ist entscheidend: Nicht bloß geistlich, nicht symbolisch, sondern in einem echten menschlichen Leib wohnt die *gesamte Fülle* der Gottheit. 1. Timotheus 3,16: *„Und kündlich groß ist das gottselige Geheimnis: Gott ist offenbart im Fleisch, gerechtfertigt im Geist, erschienen den Engeln, gepredigt den Heiden, geglaubt in der Welt, aufgenommen in die Herrlichkeit.„*

Diese Einheit zeigt sich in den Evangelien in einer faszinierenden Gleichzeitigkeit: Er schläft im Boot (menschlich) und gebietet dem Sturm (göttlich; Markus 4,38–39: *„Und er war hinten auf dem Schiff und schlief auf einem Kissen. Und sie weckten ihn auf … Und er stand auf und bedrohte den Wind und sprach zu dem Meer: Schweig und verstumme!“*). Er weint am Grab des Lazarus (menschlich) und ruft den Toten heraus (göttlich; Johannes 11,35.43). Er dürstet am Kreuz (menschlich; Johannes 19,28: *„Mich dürstet.„*) und spricht dem Schächer das Paradies zu (göttlich; Lukas 23,43: *„Heute wirst du mit mir im Paradiese sein.“*). In jeder Szene handelt die *eine* Person in beiden Naturen.