Inhaltsverzeichnis
Die Genealogie Jesu Christi
Die Bibel überliefert zwei Stammbäume Jesu, die sich wechselseitig ergänzen.
Matthäus 1: Die königliche Linie (Josephs Linie)
Matthäus beginnt sein Evangelium mit den Worten: Matthäus 1,1: *„Dies ist das Buch von der Geburt Jesu Christi, der da ist ein Sohn Davids, des Sohnes Abrahams.„* Er ordnet die Generationen in drei Blöcke zu je vierzehn Gliedern: von Abraham bis David, von David bis zur babylonischen Gefangenschaft, und von der Gefangenschaft bis Christus. Diese Struktur ist kein Zufall — die 14 ist der Zahlenwert des Namens *David* im Hebräischen (ד=4, ו=6, ד=4). Matthäus codiert so die davidische Königslinie in die Struktur selbst hinein.
Bemerkenswert: Matthäus nennt vier Frauen im Stammbaum — Tamar, Rahab, Ruth und die Frau des Uria (Bathseba). Jede von ihnen steht für eine Irregularität, einen Makel, eine heidnische Herkunft oder einen Skandal. Ihre Aufnahme in den Stammbaum des Messias zeigt: Die Gnade Gottes durchbricht jede menschliche Grenze.
Ein weiteres exegetisches Detail: Matthäus übergeht bewusst bestimmte Könige in der davidischen Linie (z. B. Ahasja, Joas, Amazja) — allesamt Nachkommen der gottlosen Atalja, Tochter des Ahab. Gott hatte über das Haus Ahabs ein Gericht bis ins dritte und vierte Glied angekündigt (2. Mose 20,5: *„der die Missetat der Väter heimsucht auf Kinder ins dritte und vierte Glied“*). Matthäus tilgt exakt diese drei Generationen aus dem Stammbaum — ein stilles Zeugnis der göttlichen Gerichtsordnung.
Lukas 3: Die Linie Marias (die biologische Abstammung)
Lukas verfolgt den Stammbaum rückwärts — nicht nur bis Abraham, sondern bis auf Adam, *den Sohn Gottes* (Lukas 3,38: *„welcher war ein Sohn des Enos, welcher war ein Sohn des Seth, welcher war ein Sohn des Adam, welcher war Gottes.„*). Damit zeigt Lukas: Jesus is nicht nur der Messias Israels, sondern der Erlöser der *gesamten* Menschheit — zurückreichend bis zum ersten Menschen.
Die Geburt und Kindheit
Die Ankündigung
Der Engel Gabriel erschien der Jungfrau Maria in Nazareth:
Marias Antwort ist Inbegriff des Glaubens: Lukas 1,38: *„Maria aber sprach: Siehe, ich bin des HERRN Magd; mir geschehe, wie du gesagt hast.“*
Die Gaben der Weisen aus dem Morgenland sind prophetisch: Gold — für den König; Weihrauch — für den Priester (der Räucheraltar stand im Heiligtum); Myrrhe — für den Leidenden und Sterbenden (Myrrhe wurde zur Einbalsamierung verwendet; vgl. Johannes 19,39: *„Es kam aber auch Nikodemus … und brachte Myrrhe und Aloe untereinander, bei hundert Pfunden.„*). In drei Gaben ist das gesamte Munus Triplex (Prophet, Priester, König) und das gesamte Heilswerk (Inkarnation, Opfer, Herrschaft) zusammengefasst.
Die Geburt in Bethlehem
Lukas 2,7: *„Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge.“* Der König der Könige betritt die Welt nicht in einem Palast, sondern in einem Stall. Die Krippe — ein Futtertrog — ist ein Bild tiefster Demut. Und doch verkünden die Engel den Hirten: Lukas 2,11: *„denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der HERR, in der Stadt Davids.„*
Der Name *Bethlehem* (hebr. בֵּית לֶחֶם) bedeutet „Haus des Brotes“. Dass das *Brot des Lebens* (Johannes 6,35) im *Haus des Brotes* geboren und in einen *Futtertrog* gelegt wurde, ist göttliche Poesie von erhabener Schönheit.
Die Beschneidung und Darstellung im Tempel
Am achten Tag wurde Jesus beschnitten (Lukas 2,21: *„Und da acht Tage um waren, dass das Kind beschnitten würde, da ward sein Name genannt Jesus„*). Bei der Darstellung im Tempel erkannte der greise Simeon ihn:
Simeons Weissagung enthält aber auch einen dunklen Schatten: Lukas 2,35: *„und es wird ein Schwert durch deine Seele dringen“* — ein Vorausblick auf das Kreuz. Die Beschneidung am achten Tag verbindet das Bundeszeichen mit der Zahl der neuen Schöpfung (siehe *Biblische Numerik*).
Der Zwölfjährige im Tempel
Lukas 2,49: *„Was ist's, dass ihr mich gesucht habt? Wisst ihr nicht, dass ich sein muss in dem, das meines Vaters ist?„* — Die ersten überlieferten Worte Jesu offenbaren bereits sein Bewusstsein der einzigartigen Gottessohnschaft. Mit zwölf Jahren — dem Alter der religiösen Mündigkeit — zeigt er, dass sein wahres Zuhause nicht Nazareth ist, sondern das Haus seines Vaters.