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Person:Jesus Christus:Sammelsurium

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Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Jesus Christus ist der absolute Mittelpunkt und der Schlussstein der gesamten Heiligen Schrift. Vom ersten Vers der Genesis bis zum letzten Amen der Offenbarung durchzieht ein einziger, roter Faden das gesamte biblische Zeugnis: die Person, das Werk und die Herrlichkeit des Sohnes Gottes. Das Alte Testament erwartet ihn in prophetischen Schattenbildern (Typologie), in über dreihundert messianischen Weissagungen, in den Festen Israels, in den Opfergesetzen, in der Stiftshütte und im Tempel. Das Neue Testament offenbart ihn als den fleischgewordenen Sohn Gottes, den prophezeiten Messias und den alleinigen Erlöser der Menschheit.

Sein Name fasst sein Wesen zusammen: *Jesus* (hebräisch *Jeschua*, „JHWH rettet„) ist sein Erlösername; *Christus* (griechisch *Christos*, hebräisch *Maschiach*) ist sein Amtstitel — der Gesalbte. Er vereinigt in sich die drei alttestamentlichen Salbungsämter: Prophet, Priester und König.

Zur etymologischen Herleitung siehe Hauptartikel: Jesus und Christus.

Apostelgeschichte 4, 12 (Luther 1912) Und ist in keinem andern Heil, ist auch kein andrer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, darin wir sollen selig werden.

Das Protevangelium — Die erste Verheißung der Schrift

Unmittelbar nach dem Sündenfall spricht Gott das sogenannte *Protevangelium* (griech. *prōtos* = „erster“ + *euangelion* = „Evangelium„) — die erste Heilsverheißung der gesamten Bibel, gerichtet an die Schlange, aber bestimmt für die gesamte Menschheit:

1. Mose 3, 15 (Luther 1912) Und ich will Feindschaft setzen zwischen dir und dem Weibe und zwischen deinem Samen und ihrem Samen. Derselbe soll dir den Kopf zertreten, und du wirst ihn in die Ferse stechen.

Dieser eine Vers enthält die gesamte Heilsgeschichte im Keim. Er verdient eine präzise exegetische Entfaltung:

„Ihrem Samen“ — Beachte die biologische Anomalie: Die Schrift spricht vom Samen der *Frau*, nicht vom Samen des Mannes. In der gesamten biblischen Genealogie wird der Same stets dem Mann zugerechnet. Dass hier ausdrücklich vom Samen der *Frau* gesprochen wird, ist ein erster, verborgener Hinweis auf die Jungfrauengeburt: Christus wird ohne Beteiligung eines menschlichen Vaters geboren, empfangen durch den Heiligen Geist.

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Lukas 1, 35 Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten; darum wird auch das Heilige, das von dir geboren wird, Gottes Sohn genannt werden. </note>

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Galater 4, 4 Da aber die Zeit erfüllet ward, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einem Weibe </note>

  • Dies bestätigt: *geboren von einem Weibe* — nicht *gezeugt von einem Manne*.

„Den Kopf zertreten„ — Das hebräische Verb *schuph* (שׁוּף) beschreibt ein gründliches, zermalmendes Zertreten. Das Zertreten des *Kopfes* bedeutet eine endgültige, tödliche Vernichtung der Macht Satans. Dies geschah am Kreuz:

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Kolosser 2, 15 und hat ausgezogen die Fürstentümer und die Gewaltigen und sie schaugetragen öffentlich und einen Triumph aus ihnen gemacht durch sich selbst. </note>

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Hebräer 2, 14 auf dass er durch den Tod die Macht nähme dem, der des Todes Gewalt hatte, das ist dem Teufel. </note>

  • Der Kopf — das Zentrum der Macht — wird zermalmt.

„In die Ferse stechen“ — Dasselbe Verb *schuph*, aber diesmal gegen die *Ferse* gerichtet. Eine Fersenwunde ist schmerzhaft, aber nicht tödlich. Sie verweist auf das Leiden und den Tod Christi am Kreuz — real, qualvoll, aber *vorübergehend*, denn die Auferstehung folgte. Satan konnte Jesus verwunden, aber nicht vernichten.

So enthält dieses eine Wort Gottes im Garten Eden bereits den gesamten Heilsplan: die Inkarnation (Samen der Frau), das Kreuz (Ferse gestochen), den Sieg (Kopf zertreten) und den Endkampf zwischen dem Reich Gottes und dem Reich der Finsternis (Feindschaft).

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1. Johannes 3, 8 Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, dass er die Werke des Teufels zerstöre. </note>

  • Von Genesis 3,15 spannt sich ein Bogen, der erst in Offenbarung 20,10 (*„Und der Teufel, der sie verführte, ward geworfen in den feurigen Pfuhl und Schwefel„*) sein Ziel erreicht.

Die Namen und Titel Jesu Christi

Die Heilige Schrift offenbart Jesus Christus unter einer Fülle von Namen und Titeln, die jeweils einen unverwechselbaren Aspekt seines Wesens, seines Wirkens und seiner Herrlichkeit beleuchten. Kein anderer Mensch in der gesamten Bibel wird mit einer solchen Vielfalt von Bezeichnungen bedacht — ein stilles, aber überwältigendes Zeugnis seiner unerschöpflichen Größe.

Das Wort (Logos)

Johannes 1, 1 Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort.

Der griechische Ausdruck *Logos* (λόγος) verbindet den jüdischen Begriff des schöpferischen Gotteswortes (*„Und Gott sprach: Es werde Licht!“* — 1. Mose 1,3) mit dem gesamten Offenbarungswillen Gottes. Christus *ist* dieses Wort — nicht nur Bote, sondern die Offenbarung selbst. In ihm hat Gott sich endgültig und vollkommen ausgesprochen. Das Wort ist zugleich Schöpfungsmittler und Erlöser:

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Johannes 1, 14 Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sonnens vom Vater, voller Gnade und Wahrheit. </note>

Der Titel *Logos* (λόγος) trägt im biblischen Kontext eine dreifache Tiefenschicht. Erstens verweist er auf das schöpferische Sprechen Gottes in der Genesis: Zehnmal heißt es „Und Gott sprach„ (1. Mose 1) — und jedes Mal entsteht etwas aus dem Nichts. Christus ist dieses schöpferische Wort in Person, durch das Hebräer 11,3 (*„die Welt durch Gottes Wort fertig ist, dass alles, was man sieht, aus nichts geworden ist“*) bestätigt. Zweitens steht der Logos für die prophetische Rede Gottes — das „Wort des HERRN„, das zu den Propheten erging (vgl. Jeremia 1,4: *„Und des HERRN Wort geschah zu mir“*). In Christus ist dieses Prophetenwort nicht mehr Bruchstück, sondern Gesamtoffenbarung:

  • <note>

Hebräer 1, 1-2 Nachdem vorzeiten Gott manchmal und mancherleiweise geredet hat zu den Vätern durch die Propheten, hat er am letzten in diesen Tagen zu uns geredet durch den Sohn. </note>

  • Drittens ist der Logos das erhaltende Wort, durch das der Kosmos zusammengehalten wird: Hebräer 1,3 (*„und trägt alle Dinge mit seinem kräftigen Wort„*). So ist Christus als Logos Schöpfer, Offenbarer und Erhalter in einer Person.

Sohn Gottes

Dieser Titel drückt die ewige, wesensgleiche Beziehung des Sohnes zum Vater aus — keine geschöpfliche Sohnschaft, sondern die innertrinitarische Gemeinschaft.

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Matthäus 3, 17 Und siehe, eine voice vom Himmel herab sprach: Dies ist mein lieber Sohn, an welchem ich Wohlgefallen habe. </note>

  • Bei der Taufe am Jordan zerreißt der Himmel und der Vater selbst bezeugt den Sohn. Ebenso bei der Verklärung auf dem Berg:
  • <note>

Matthäus 17, 5 Da er noch also redete, siehe, da überschattete sie eine lichte Wolke. Und siehe, eine voice aus der Wolke sprach: Dies ist mein lieber Sohn, an welchem ich Wohlgefallen habe; den sollt ihr hören! </note>

Das Neue Testament verwendet für Christus den Ausdruck *monogenēs* (μονογενής) — „eingeboren“, „einzigartig„ (Johannes 3,16: *„Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab“*). Dieses Wort unterscheidet die Sohnschaft Jesu grundlegend von der Sohnschaft der Gläubigen, die durch Adoption Kinder Gottes werden (Römer 8,15: *„ihr habt einen kindlichen Geist empfangen, durch welchen wir rufen: Abba, lieber Vater!„*). Christus ist Sohn Gottes *von Natur*; Gläubige sind Kinder Gottes *aus Gnade*.

Menschensohn

Dieser Titel, den Jesus selbst am häufigsten verwendete (über achtzig Mal in den Evangelien), verbindet tiefste Niedrigkeit mit höchster Herrlichkeit. Er verweist auf die Vision Daniels:

Daniel 7, 13-14 (Luther 1912) Ich sah in diesem Gesicht des Nachts, und siehe, es kam einer in des Himmels Wolken wie eines Menschen Sohn bis zu dem Alten und ward vor denselben gebracht. Der gab ihm Gewalt, Ehre und Reich, dass ihm alle Völker, Leute und Zungen dienen sollten. Seine Gewalt ist ewig, die nicht vergeht, und sein Königreich hat kein Ende.

Als Menschensohn identifiziert sich Christus vollständig mit der Menschheit, teilt ihre Schwachheit, ihren Hunger, ihren Schmerz — und empfängt zugleich ein ewiges, universales Königtum.

Jesus verwendet den Titel „Menschensohn“ in drei klar unterscheidbaren Kontexten: Erstens im Zusammenhang mit seiner irdischen Vollmacht — Markus 2,10 (*„Auf dass ihr aber wisset, dass des Menschen Sohn Macht hat, zu vergeben die Sünden auf Erden„*). Zweitens im Zusammenhang mit seinem Leiden — Markus 10,45 (*„Denn auch des Menschen Sohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben zur Bezahlung für viele.“*). Drittens im Zusammenhang mit seiner zukünftigen Herrlichkeit — Matthäus 25,31 (*„Wenn aber des Menschen Sohn kommen wird in seiner Herrlichkeit und alle heiligen Engel mit ihm, dann wird er sitzen auf dem Stuhl seiner Herrlichkeit.„*). In diesem dreifachen Gebrauch spiegelt sich die gesamte Bewegung der Heilsgeschichte: Vollmacht — Leiden — Herrlichkeit.

Immanuel

*Gott mit uns* — der Name, den der Prophet Jesaja weissagte: Jesaja 7,14 (*„Darum so wird euch der HERR selbst ein Zeichen geben: Siehe, eine Jungfrau ist schwanger und wird einen Sohn gebären, den wird sie heißen Immanuel.“*). Matthäus erkennt in der Geburt Jesu die Erfüllung: Matthäus 1,23 (*„Siehe, eine Jungfrau wird schwanger sein und einen Sohn gebären, und sie werden seinen Namen Immanuel heißen, das ist verdolmetscht: Gott mit uns.„*). Der Name fasst das gesamte Evangelium in zwei Worte: Gott — mit — uns. Nicht fern, nicht bloß über uns, sondern *bei* uns und *in* uns.

Der Name *Immanuel* (hebr. עִמָּנוּ אֵל, *Immanu-El*) zieht sich als roter Faden durch die gesamte Heilsgeschichte. Im Exodus wohnt Gott *bei* seinem Volk in der Stiftshütte: 2. Mose 25,8 (*„Und sie sollen mir ein Heiligtum machen, dass ich unter ihnen wohne.“*). Im Johannesevangelium wird dieses Wohnen Gottes in der Person Christi erfüllt: Johannes 1,14 (*„Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns„*) — das griechische *eskēnōsen* (ἐσκήνωσεν) bedeutet wörtlich „er schlug sein Zelt auf“, „er errichtete seine Stiftshütte„. Und in der ewigen Vollendung erreicht das Immanuel-Prinzip seine Klimax: Offenbarung 21,3 (*„Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein.“*).

Lamm Gottes

Siehe ausführlich den Abschnitt *Das vollkommene Opfer am Kreuz* und den Hauptartikel Lamm. Johannes der Täufer rief: Johannes 1,29 (*„Siehe, das ist Gottes Lamm, welches der Welt Sünde trägt!„*). Im Buch der Offenbarung wird das Lamm nicht weniger als achtundzwanzig Mal erwähnt — stehend wie geschlachtet, und doch lebendig und herrschend in Ewigkeit (Offenbarung 5,6: *„Und ich sah, und siehe, mitten zwischen dem Stuhl und den vier Tieren und mitten zwischen den Ältesten stand ein Lamm, als wäre es erwürgt“*).

Die Zahl achtundzwanzig (4 × 7) ist dabei kein Zufall: Die Vier steht in der biblischen Numerik für die ganze Erde (vier Himmelsrichtungen), die Sieben für göttliche Vollkommenheit. Das Lamm herrscht in vollkommener Weise über die gesamte Schöpfung. Das Bild des Lammes verbindet das Passahlamm (2. Mose 12), das tägliche Tamid-Opfer (das jeden Morgen und jeden Abend dargebracht wurde; 2. Mose 29,39: *„Das eine Lamm sollst du des Morgens opfern, das andere gegen Abend„*), den leidenden Gottesknecht aus Jesaja 53,7 (*„wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird“*) und das triumphierende Lamm der Offenbarung.

Der Löwe aus dem Stamm Juda

Offenbarung 5,5 (*„Und einer von den Ältesten spricht zu mir: Weine nicht! Siehe, es hat überwunden der Löwe, der da ist vom Geschlecht Juda, die Wurzel Davids, aufzutun das Buch und zu brechen seine sieben Siegel.„*). Hier treffen zwei scheinbar unvereinbare Bilder aufeinander: der Löwe und das Lamm. Er ist der mächtige Herrscher aus der Verheißung Jakobs (1. Mose 49,9: *„Juda ist ein junger Löwe. Du bist hoch gekommen, mein Sohn, durch große Siege“*), und zugleich das stille, hingegebene Opfertier. Diese Spannung ist das Herzstück des biblischen Christuszeugnisses.

Die dramatische Szene in Offenbarung 5 verdient besondere Beachtung: Johannes weint heftig, weil niemand würdig ist, das versiegelte Buch zu öffnen (V. 4). Einer der Ältesten tröstet ihn: *Der Löwe hat überwunden!* — und als Johannes aufblickt, sieht er *kein* brüllendes Raubtier, sondern ein *Lamm, als wäre es erwürgt* (V. 6). Die Art, wie der Löwe überwunden hat, ist gerade *als Lamm* — durch Opfer, nicht durch Gewalt. Er hat gesiegt, *indem* er sich hingab. Darin liegt die göttliche Revolution: Macht durch Ohnmacht, Sieg durch Hingabe, Leben durch Tod.

Weiterer Überblick über ausgewählte Titel

Titel Schriftstelle Bedeutung
Alpha und Omega Offenbarung 1,8: *„Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende, spricht Gott der HERR„* Ewiger Ursprung und ewiges Ziel aller Dinge
Erster und Letzter Offenbarung 1,17: *„Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte“* Identisch mit dem JHWH-Titel aus Jesaja 44,6: *„So spricht der HERR, der König Israels, und sein Erlöser, der HERR Zebaoth: Ich bin der Erste, und ich bin der Letzte, und außer mir ist kein Gott„*
Friedefürst Jesaja 9,5: *„und er heißt Wunderbar, Rat, Kraft, Held, Ewig-Vater, Friedefürst“* Er ist der Stifter und der Inhalt des wahren Friedens
Wunderbarer Ratgeber Jesaja 9,5 (s.o.) Göttliche Weisheit in Person
Der Gute Hirte Johannes 10,11: *„Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe.„* Erfüllung von Psalm 23 und Hesekiel 34
Der Weinstock Johannes 15,5: *„Ich bin the Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viele Frucht“* Lebensquelle der Gemeinde; vgl. Weinstock
König der Könige Offenbarung 19,16: *„Und hat einen Namen geschrieben auf seinem Kleid und auf seiner Hüfte also: Ein König aller Könige und ein HERR aller Herren„* Absolute Souveränität über alle Mächte
Mittler 1. Timotheus 2,5: *„Denn es ist ein Gott und ein Mittler zwischen Gott und den Menschen, nämlich der Mensch Christus Jesus“* Brückenbauer zwischen heiligem Gott und sündigem Mensch
Eckstein Epheser 2,20: *„erbaut auf den Grund der Apostel und Propheten, da Jesus Christus der Eckstein ist„* Tragfundament der Gemeinde; vgl. Stein
Auferstehung und das Leben Johannes 11,25: *„Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, ob er gleich stürbe“* Überwindung des Todes
Morgenstern Offenbarung 22,16: *„Ich bin die Wurzel des Geschlechts Davids, der helle Morgenstern„* Vorbote des ewigen Tages; vgl. Stern
Bräutigam Matthäus 25,6: *„Da aber der Bräutigam kam“* Christus und seine Gemeinde als Braut (Epheser 5,25: *„wie auch Christus geliebt hat die Gemeinde und hat sich selbst für sie gegeben„*); vgl. Hochzeit
Erstgeborener von den Toten Kolosser 1,18: *„und er ist das Haupt des Leibes, nämlich der Gemeinde, welcher ist der Anfang und der Erstgeborene von den Toten“* Garantie der Auferstehung aller Gläubigen
Letzter Adam 1. Korinther 15,45: *„Der erste Mensch, Adam, ward zu einer lebendigen Seele, und der letzte Adam zum Geist, der da lebendig macht„* Haupt einer neuen Menschheit; vgl. Adam
Der HERR unsre Gerechtigkeit Jeremia 23,6: *„und dies wird sein Name sein, dass man ihn nennen wird: DER HERR UNSERE GERECHTIGKEIT“* Die zugerechnete Gerechtigkeit Christi; vgl. Rechtfertigung
Der Fürsprecher 1. Johannes 2,1: *„Und ob jemand sündigt, so haben wir einen Fürsprecher bei dem Vater, Jesum Christum, der gerecht ist.„* Sein himmlischer Dienst für die Gläubigen; vgl. Hohepriester
Der Anfänger und Vollender des Glaubens Hebräer 12,2: *„und aufsehen auf Jesum, den Anfänger und Vollender des Glaubens“* Er beginnt den Glauben und bringt ihn zur Vollendung
Das Ebenbild Gottes 2. Korinther 4,4: *„welcher ist das Ebenbild Gottes„* Wer Christus sieht, sieht den Vater (Johannes 14,9: *„Wer mich sieht, der sieht den Vater“*)

Die Präexistenz Christi

Die Lehre von der Präexistenz — dem Sein Christi *vor* seiner Menschwerdung — ist kein theologischer Nachtrag, sondern fundamentales Bibelzeugnis.

Zeugnis des Johannes-Evangeliums

Johannes 1,1–3: *„Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Dasselbe war im Anfang bei Gott. Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist.„* Das dreifache „war“ (griech. *ēn*, Imperfekt — Dauer ohne Anfang) steht im Kontrast zum einmaligen „ward„ (*egeneto*) der Schöpfung. Das Wort *war* schon da, als alles andere erst *wurde*.

Die grammatische Struktur des griechischen Textes ist von höchster theologischer Präzision: *En archē ēn ho logos* — „Im Anfang *war* das Wort.“ Das Imperfekt *ēn* drückt ein Sein ohne zeitlichen Beginn aus. Es sagt nicht: „Im Anfang *wurde* das Wort„ (das wäre *egeneto*), sondern: Das Wort *war bereits*, als der Anfang begann. Dies ist eine Aussage über ewiges Sein, nicht über ein Entstandensein. Im Kontrast dazu steht in Johannes 1,3 das Verb *egeneto* (Aorist — einmaliges Geschehen) für alles Geschaffene: „Alle Dinge sind durch dasselbe *gemacht* [egeneto].“ Der Unterschied zwischen *ēn* und *egeneto* enthält die gesamte Lehre von der ewigen Gottheit Christi in einer grammatischen Nuance.

Christus als Schöpfungsmittler

Die Schrift lehrt eindeutig, dass Jesus Christus nicht nur vor der Schöpfung existierte, sondern aktiv an ihr beteiligt war — als Mittler, durch den alles ins Dasein gerufen wurde:

Kolosser 1, 16-17 (Luther 1912) Denn durch ihn ist alles geschaffen, was im Himmel und auf Erden ist, das Sichtbare und das Unsichtbare, es seien Throne oder Herrschaften oder Fürstentümer oder Obrigkeiten; es ist alles durch ihn und zu ihm geschaffen. Und er ist vor allem, und es besteht alles in ihm.

Drei Präpositionen definieren das Verhältnis Christi zur Schöpfung: *durch* ihn (griech. *di' autou* — er ist die wirkende Ursache), *zu* ihm (griech. *eis auton* — er ist das Ziel, der Zweck aller Dinge) und *in* ihm (griech. *en autō* — er ist die tragende Kraft, die alles zusammenhält). Die gesamte Schöpfung verdankt ihm ihren Ursprung, strebt auf ihn als Ziel zu und wird in jedem Moment ihres Bestehens durch seine Kraft getragen. Hebräer 1,3 (*„und trägt alle Dinge mit seinem kräftigen Wort„*) bestätigt: Es ist nicht so, dass Christus die Welt einst schuf und sie dann sich selbst überließ — er *trägt* sie fortwährend. Ohne sein erhaltendes Wort würde die Schöpfung ins Nichts zurückfallen.

Selbstzeugnis Jesu

  • Johannes 8,58: *„Jesus sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ehe denn Abraham ward, bin ich.“* — Das „Ich bin„ (griech. *egō eimi*) greift den Gottesnamen aus 2. Mose 3,14 (*„Gott sprach zu Mose: ICH WERDE SEIN, DER ICH SEIN WERDE“*) auf. Die Reaktion der Zuhörer — sie hoben Steine auf — zeigt, dass sie den göttlichen Anspruch verstanden.
  • Johannes 17,5: *„Und nun verkläre mich du, Vater, bei dir selbst mit der Klarheit, die ich bei dir hatte, ehe die Welt war.„* — Christus erinnert an eine Herrlichkeit, die er *vor Grundlegung der Welt* besaß.
  • Johannes 17,24: *„denn du hast mich geliebt, ehe denn die Welt gegründet war“* — Die Liebe des Vaters zum Sohn ist älter als die Schöpfung.
  • Johannes 6,62: *„Wie, wenn ihr denn sehen werdet des Menschen Sohn auffahren dahin, da er zuvor war?„* — Jesus spricht beiläufig davon, *zuvor* im Himmel gewesen zu sein, als sei es die selbstverständlichste Tatsache.
  • Johannes 16,28: *„Ich bin vom Vater ausgegangen und gekommen in die Welt; wiederum verlasse ich die Welt und gehe zum Vater.“* — Eine vierfache Bewegung, die nur bei einem präexistenten Wesen Sinn ergibt: Ausgehen — Kommen — Verlassen — Zurückkehren.

Zeugnis der Briefe

Philipper 2, 6-8 (Luther 1912) welcher, ob er wohl in göttlicher Gestalt war, hielt er's nicht für einen Raub, Gott gleich zu sein, sondern entäußerte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an, ward gleich wie ein andrer Mensch und an Gebärden als ein Mensch erfunden. Er erniedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz.

Dieser Christushymnus im Philipperbrief beschreibt eine Bewegung: von der göttlichen Gestalt (*morphē theou*) über die freiwillige Selbstentäußerung (*kenōsis*) bis zum tiefsten Punkt menschlicher Existenz — dem Kreuzestod. Präexistenz, Inkarnation und Erlösung sind hier in einem einzigen Atemzug zusammengefasst.

Das griechische Wort *morphē* (μορφή, „Gestalt„) in Philipper 2,6 bezeichnet nicht die äußere Erscheinung, sondern das *innerste Wesen*. Die „göttliche Gestalt“ meint: Er besaß das volle, unverkürzte göttliche Wesen. Das Verb *kenóō* (κενόω, „sich entäußerern„, „sich entleeren“) in Vers 7 beschreibt den unfassbaren Akt der Kenosis: Christus legte nicht seine göttliche Natur ab (das wäre unmöglich), aber er legte den *Gebrauch* seiner göttlichen Vorrechte ab. Er verzichtete darauf, seine Gleichheit mit Gott als *Privileg festzuhalten* (griech. *harpagmon* — etwas, das man krampfhaft festhält), und wählte stattdessen den Weg nach unten: von der Gottesgestalt zur Knechtsgestalt, vom Thron zur Krippe, von der Herrlichkeit zum Kreuz.

Zeugnis des Alten Testaments

  • Micha 5,1: *„Und du, Bethlehem Ephrata, die du klein bist unter den Tausenden in Juda, aus dir soll mir der kommen, der in Israel HERR sei, welches Ausgang von Anfang und von Ewigkeit her gewesen ist.„* — Der kommende Herrscher aus Bethlehem hat Ursprünge *von Ewigkeit her*.
  • Sprüche 8,22–23: *„Der HERR hat mich gehabt im Anfang seiner Wege; ehe er was machte, war ich da. Ich bin eingesetzt von Ewigkeit, von Anfang, vor der Erde.“* — Die personifizierte Weisheit spricht — die kirchliche Auslegungstradition erkennt hier Christus.
  • Sprüche 8,30: *„da war ich der Werkmeister bei ihm und hatte meine Lust täglich und spielte vor ihm allezeit„* — Die Weisheit war „Werkmeister“ (hebr. *amon*) bei der Schöpfung — ein weiterer Verweis auf Christus als Schöpfungsmittler.
  • Psalm 90,2: *„Ehe denn die Berge worden und die Erde und die Welt geschaffen worden, bist du, Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit.„* — Obwohl primär auf den Vater bezogen, wendet der Hebräerbrief solche Gottesaussagen ausdrücklich auf den Sohn an (Hebräer 1,8-12).

Christophanien — Christus im Alten Testament

Eine *Christophanie* (von griech. *Christos* + *phainō* = „erscheinen“) ist eine vorinkarnatorische Erscheinung des Sohnes Gottes im Alten Testament. Die Schrift berichtet von einem geheimnisvollen Wesen, das als „der Engel des HERRN„ (hebr. *Malach JHWH*) bezeichnet wird und dabei Eigenschaften aufweist, die nur Gott selbst zukommen: Er vergibt Sünden, empfängt Anbetung, spricht in der ersten Person als JHWH und trägt den göttlichen Namen in sich.

Der Engel des HERRN — nicht ein Engel, sondern DER Engel

Der hebräische Text unterscheidet sorgfältig zwischen *einem* Engel (*malach*, ohne Artikel) und *dem* Engel des HERRN (*Malach JHWH*, mit oder ohne Artikel, aber stets einzigartig). Dieser Engel wird an keiner Stelle als geschaffenes Wesen identifiziert; vielmehr wird er mit dem HERRN selbst gleichgesetzt und zugleich von ihm unterschieden — eine vorschattende Offenbarung der Dreieinigkeit.

Erscheinung vor Hagar

1. Mose 16,13: *„Und sie hieß den Namen des HERRN, der mit ihr redete: Du, Gott, siehest mich.“* Hagar erkennt: Der Engel, der zu ihr sprach, ist nicht ein Bote, sondern *Gott selbst*. Sie nennt ihn *El-Roi* — „der Gott, der mich sieht„.

Erscheinung vor Abraham in Mamre

In 1. Mose 18 erscheinen Abraham drei Männer, einer davon wird durchgehend als „der HERR“ (JHWH) identifiziert: 1. Mose 18,1 (*„Und der HERR erschien ihm im Hain Mamre.„*). Abraham fällt auf sein Angesicht und redet ihn als *Adonai* („mein Herr“) an. Dieser HERR kündigt die Geburt Isaaks an und richtet über Sodom. Zwei der Besucher gehen nach Sodom; der HERR aber bleibt bei Abraham stehen (18,22). Dann: 1. Mose 19,24 (*„Da ließ der HERR Schwefel und Feuer regnen von dem HERRN aus dem Himmel.„*). Beachte: „der HERR … von dem HERRN aus dem Himmel“ — zwei Personen, die beide den JHWH-Namen tragen. Dies ist eine der deutlichsten alttestamentlichen Andeutungen der Pluralität innerhalb des einen Gottes.

Der Engel im brennenden Dornbusch

2. Mose 3,2: *„Und der Engel des HERRN erschien ihm in einer feurigen Flamme aus dem Busch.„* Doch schon im nächsten Vers heißt es: 2. Mose 3,4 (*„Da aber der HERR sah, dass er hinging, zu sehen, rief ihm Gott aus dem Busch und sprach: Mose, Mose!“*). Der *Engel* des HERRN und *Gott selbst* werden hier gleichgesetzt. Und dieser selbe Engel offenbart den heiligsten Namen Gottes: 2. Mose 3,14 (*„Gott sprach zu Mose: ICH WERDE SEIN, DER ICH SEIN WERDE.„*). Genau diesen Namen nimmt Jesus in Johannes 8,58 (*„Ehe denn Abraham ward, bin ich.“*) für sich in Anspruch.

Der Hauptmann des Heeres des HERRN vor Josua

Josua 5,14–15: *„Er sprach: Nein, sondern ich bin der Fürst über das Heer des HERRN und bin jetzt gekommen. Da fiel Josua auf sein Angesicht zur Erde und betete an und sprach zu ihm: Was sagt mein HERR seinem Knecht? Und der Fürst über das Heer des HERRN sprach zu Josua: Zieh deine Schuhe aus von deinen Füßen; denn die Stätte, darauf du stehst, ist heilig.„* Die Befehle gleichen exakt denen am brennenden Dornbusch (2. Mose 3,5). Ein geschaffener Engel hätte Anbetung verweigert (vgl. Offenbarung 22,9: *„Tue es nicht! denn ich bin dein Mitknecht … Bete Gott an!“*). Dieser Fürst nimmt sie an — weil er Gott ist.

Der Engel des HERRN vor Manoah und seiner Frau

Richter 13,18: *„Aber der Engel des HERRN sprach zu ihm: Warum fragst du nach meinem Namen, der doch wunderbar ist?„* Das Wort „wunderbar“ (hebr. *pil'i*) ist dasselbe, das in Jesaja 9,5 (*„und er heißt Wunderbar„*) als messianischer Titel verwendet wird. Als der Engel in der Opferflamme gen Himmel fuhr, erkannte Manoah: Richter 13,22 (*„Wir müssen des Todes sterben, dass wir Gott gesehen haben.“*) — Er wusste: Er hatte Gott selbst gesehen.

Zusammenfassung: Warum Christophanien wichtig sind

Die Christophanien zeigen, dass der Sohn Gottes nicht erst in Bethlehem begann, sich der Menschheit zu offenbaren. Er war seit jeher der Offenbarer des Vaters: Johannes 1,18: *„Niemand hat Gott je gesehen; der eingeborene Sohn, der in des Vaters Schoß ist, der hat es uns verkündigt.„* Wenn also Abraham, Mose, Josua und andere den HERRN „sahen“, dann sahen sie den präinkarnatorischen Sohn Gottes — denn den Vater hat nie ein Mensch gesehen.


Biblische Numerik im Christuszeugnis

Gott ist ein Gott der Ordnung (1. Korinther 14,33: *„Denn Gott ist nicht ein Gott der Unordnung, sondern des Friedens„*), und diese Ordnung drückt sich auch in den Zahlen der Schrift aus. Bestimmte Zahlen durchziehen das biblische Zeugnis über Christus mit einer Regelmäßigkeit, die kein Zufall sein kann.

Die Zahl 3 — Göttliche Vollkommenheit und Auferstehung

Die Drei ist die Zahl der Dreieinigkeit, der göttlichen Fülle und der Auferstehung.

  • Christus wurde am dritten Tag auferweckt: 1. Korinther 15,4 (*„und dass er begraben sei und dass er auferstanden sei am dritten Tage nach der Schrift.“*).
  • Jona war drei Tage und drei Nächte im Bauch des Fisches — Typus der Auferstehung (Matthäus 12,40: *„Denn gleichwie Jona war drei Tage und drei Nächte in des Walfisches Bauch, also wird des Menschen Sohn drei Tage und drei Nächte in der Erde Herz sein.„*).
  • Drei Stunden Finsternis am Kreuz: von der sechsten bis zur neunten Stunde (Matthäus 27,45: *„Und von der sechsten Stunde an ward eine Finsternis über das ganze Land bis zu der neunten Stunde.“*).
  • Petrus verleugnete Jesus dreimal — und wurde dreimal wiederhergestellt (Johannes 21,17: *„Spricht er zum dritten Mal zu ihm: Simon Jona, hast du mich lieb?„*).
  • Das dreifache Amt Christi: Prophet, Priester, König.
  • Der Segen Aarons ist dreifach: 4. Mose 6,24–26 (*„Der HERR segne dich und behüte dich; der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.“*).

Die Zahl 7 — Göttliche Vollkommenheit und Vollendung

Die Sieben ist die Zahl der göttlichen Vollendung und Ruhe.

  • Sieben „Ich bin„-Worte im Johannesevangelium (siehe eigener Abschnitt).
  • Sieben Worte Jesu am Kreuz (siehe eigener Abschnitt).
  • Sieben Feste des HERRN in 3. Mose 23 (siehe eigener Abschnitt).
  • Sieben Gemeinden in der Offenbarung (Kapitel 2–3).
  • Sieben Siegel, sieben Posaunen, sieben Schalen des Zorns in der Offenbarung.
  • Sieben Geister Gottes (Offenbarung 1,4: *„und von den sieben Geistern, die da sind vor seinem Stuhl“*) — Ausdruck der Fülle des Heiligen Geistes, auf den Messias ruhend gemäß Jesaja 11,2 (*„auf welchem wird ruhen der Geist des HERRN, der Geist der Weisheit und des Verstandes, der Geist des Rats und der Stärke, der Geist der Erkenntnis und der Furcht des HERRN.„*).
  • Das griechische Wort *Iēsous* (Ἰησοῦς, Jesus) hat im griechischen Zahlensystem den Wert 888 — was zur nächsten Zahl führt.

Die Zahl 8 — Neue Schöpfung und Auferstehung

Die Acht steht in der biblischen Numerik für den Neuanfang, die neue Schöpfung, die Überschreitung der Sieben (Vollendung der alten Ordnung) hin zum Beginn einer ganz neuen.

  • Jesus stand am achten Tag (dem ersten Tag der neuen Woche, dem Tag *nach* dem Sabbat) von den Toten auf: Matthäus 28,1 (*„Am Abend aber des Sabbats, welcher anbricht am Morgen des ersten Tages der Woche, kam Maria Magdalena und die andere Maria, das Grab zu besehen.“*). Der Auferstehungstag ist zugleich der erste und der achte Tag — Ende und Neuanfang.
  • Die Beschneidung geschah am achten Tag (1. Mose 17,12: *„Ein jegliches Knäblein, wenn's acht Tage alt ist, sollt ihr beschneiden„*) — sie war das Zeichen des Bundes und ein Vorausbild der geistlichen Beschneidung des Herzens, die durch Christus geschieht (Kolosser 2,11: *„in welchem ihr auch beschnitten seid mit der Beschneidung ohne Hände“*).
  • In der Arche Noahs wurden acht Menschen gerettet (1. Petrus 3,20: *„da acht Seelen gerettet wurden durchs Wasser„*) — ein Bild der neuen Menschheit nach dem Gericht.

Die Zahl 40 — Prüfung, Bewährung, Vorbereitung

Die Vierzig ist die Zahl der Prüfung und der göttlichen Vorbereitung.

  • Jesus fastete vierzig Tage in der Wüste vor Beginn seines Dienstes: Matthäus 4,2 (*„Und da er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, hungerte ihn.“*).
  • Mose war vierzig Tage auf dem Sinai (2. Mose 24,18: *„Und Mose ging mitten in die Wolke und stieg auf den Berg und blieb auf dem Berge vierzig Tage und vierzig Nächte.„*).
  • Elija wanderte vierzig Tage zum Horeb (1. Könige 19,8: *„und ging durch die Kraft der Speise vierzig Tage und vierzig Nächte bis an den Berg Gottes Horeb.“*).
  • Israel wanderte vierzig Jahre durch die Wüste — und versagte. Christus bestand die vierzigtägige Wüstenprüfung — wo Adam und Israel versagten, da überwand der letzte Adam.
  • Vierzig Tage zwischen Auferstehung und Himmelfahrt: Apostelgeschichte 1,3 (*„welchen er sich nach seinem Leiden lebendig erzeigt hatte durch mancherlei Erweisungen, und ließ sich sehen unter ihnen vierzig Tage lang und redete mit ihnen vom Reich Gottes.„*).

Die Zahl 12 — Göttliche Regierung und Vollständigkeit des Volkes Gottes

Die Zwölf durchzieht das Christuszeugnis als Zahl der göttlichen Regierung.

  • Zwölf Stämme Israels — zwölf Apostel: Matthäus 19,28 (*„ihr werdet auch sitzen auf zwölf Stühlen und richten die zwölf Geschlechter Israels.“*).
  • Zwölf Körbe bei der Speisung der Fünftausend — für jeden Stamm einer.
  • Der zwölfjährige Jesus im Tempel (Lukas 2,42: *„Und da er zwölf Jahre alt war„*).
  • Zwölf Tore und zwölf Grundsteine des neuen Jerusalem (Offenbarung 21,12–14: *„und hatte zwölf Tore … und zwölf Gründe“*).

Die zwei Naturen: Wahrer Gott und wahrer Mensch

Die Schrift bezeugt unmissverständlich, dass Jesus Christus ewig existiert. Er ist das ewige Wort (der Logos), das Fleisch wurde. Wie wir in Johannes 1,1 (*„Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort„*) lesen, is er wesenseins mit dem Vater.

Durch die Menschwerdung nahm er menschliche Gestalt an, ohne seine Göttlichkeit aufzugeben. Er ist der Erstgeborene der neuen Schöpfung und das Haupt der Gemeinde:

Kolosser 1, 15-17 (Luther 1912) welcher ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene vor allen Kreaturen. Denn durch ihn ist alles geschaffen, was im Himmel und auf Erden ist, das Sichtbare und das Unsichtbare, es seien Throne oder Herrschaften oder Fürstentümer oder Obrigkeiten; es ist alles durch ihn und zu ihm geschaffen. Und er ist vor allem, und es besteht alles in ihm.

Die volle Gottheit Christi

Die Schrift scheut sich nicht, Jesus Christus direkt *Gott* zu nennen:

  • Johannes 20,28: *„Thomas antwortete und sprach zu ihm: Mein HERR und mein Gott!“* — Thomas spricht das höchste Bekenntnis, und Jesus weist es nicht zurück, sondern bestätigt es.
  • Titus 2,13: *„und warten auf die selige Hoffnung und Erscheinung der Herrlichkeit des großen Gottes und unsers Heilandes Jesu Christi„* — Paulus nennt ihn *den großen Gott*.
  • Römer 9,5: *„welcher ist Gott über alles, gelobt in Ewigkeit. Amen.“* — Christus wird explizit als „Gott über alles„ bezeichnet.
  • Hebräer 1,8: *„Aber von dem Sohn: Gott, dein Stuhl währt von Ewigkeit zu Ewigkeit; das Zepter deines Reichs ist ein richtiges Zepter“* — Hier spricht *der Vater* den Sohn als *Gott* an.

Darüber hinaus empfängt Christus göttliche Anbetung — etwas, das Gott allein zusteht (Matthäus 4,10: *„Du sollst anbeten Gott, deinen HERRN, und ihm allein dienen.„*): Die Weisen beteten ihn an (Matthäus 2,11: *„und fielen nieder und beteten es an“*), die Jünger beteten ihn an nach der Auferstehung (Matthäus 28,17: *„und da sie ihn sahen, fielen sie vor ihm nieder„*), und die himmlischen Heerscharen beten das Lamm an (Offenbarung 5,12: *„Das Lamm, das erwürget ist, ist würdig, zu nehmen Kraft und Reichtum und Weisheit und Stärke und Ehre und Preis und Lob.“*). Zudem vergibt er Sünden — ein ausschließlich göttliches Vorrecht (Markus 2,7: *„Was redet dieser solche Gotteslästerung? Wer kann Sünden vergeben denn allein Gott?„*). Er nimmt auch den Glauben an, der allein Gott gebührt: Johannes 14,1: *„Ihr glaubet an Gott; glaubet auch an mich.“*

Die volle Menschheit Christi

Ebenso klar bezeugt die Schrift seine wahre, vollständige Menschennatur. Er war kein Geistwesen in menschlicher Verkleidung:

  • Er wurde hungrig: Matthäus 4,2 (*„Und da er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, hungerte ihn.„*).
  • Er wurde müde: Johannes 4,6 (*„Da war aber daselbst Jakobs Brunnen. Da nun Jesus müde war von der Reise, setzte er sich also auf den Brunnen.“*).
  • Er weinte: Johannes 11,35 (*„Und Jesus gingen die Augen über.„*) — der kürzeste Vers der Bibel, doch einer der tiefsten: Gott weint mit den Trauernden.
  • Er empfand Zorn: Markus 3,5 (*„Und er sah sie umher an mit Zorn und war betrübt über ihrem verstockten Herzen.“*).
  • Er empfand Todesangst: Lukas 22,44 (*„Und es kam, dass er mit dem Tode rang und betete heftiger. Es ward aber sein Schweiß wie Blutstropfen, die fielen auf die Erde.„*).
  • Er starb einen echten, physischen Tod: Johannes 19,30 (*„Da nun Jesus den Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht! und neigte das Haupt und verschied.“*).
  • Er wuchs und entwickelte sich wie jedes menschliche Kind: Lukas 2,52 (*„Und Jesus nahm zu an Weisheit, Alter und Gnade bei Gott und den Menschen.„*).
  • Er empfand echtes Mitleid: Matthäus 9,36 (*„Und da er das Volk sah, jammerte ihn desselben; denn sie waren verschmachte und zerstreut wie die Schafe, die keinen Hirten haben.“*).
  • Er betete zum Vater — als echter Mensch, abhängig vom Vater: Markus 1,35 (*„Und des Morgens vor Tage stand er auf und ging hinaus. Und er ging an eine wüste Stätte und betete daselbst.„*).

Der Hebräerbrief fasst zusammen, warum diese volle Menschheit heilsnotwendig ist:

Hebräer 2, 17-18 (Luther 1912) Daher musste er in allen Dingen seinen Brüdern gleich werden, auf dass er barmherzig würde und ein treuer Hoherpriester vor Gott, zu versöhnen die Sünden des Volks. Denn worin er gelitten hat und versucht ist, kann er helfen denen, die versucht werden.

Das Wort *musste* (griech. *ōpheilen*) ist ein theologischer Schlüsselbegriff: Die Inkarnation war keine Option, sondern eine *Notwendigkeit*. Damit Christus als Hohepriester vor Gott für die Menschen eintreten konnte, musste er einer von ihnen werden. Nur ein wirklicher Mensch konnte für Menschen sterben; nur der wahre Gott konnte den unendlichen Preis der Sünde bezahlen. Hebräer 4,15 (*„Denn wir haben nicht einen Hohenpriester, der nicht könnte Mitleiden haben mit unsern Schwachheiten, sondern der versucht ist allenthalben gleichwie wir, doch ohne Sünde.“*) — In dem Zusatz „ohne Sünde„ (griech. *chōris hamartias*) liegt der entscheidende Unterschied: Er war in *allem* versucht wie wir — nur dass er niemals sündigte. Er kannte die volle Wucht der Versuchung, ohne ihr je nachzugeben.

Die Einheit der zwei Naturen

Die göttliche und die menschliche Natur sind in der einen Person Jesu Christi *unvermischt, unverwandelt, ungetrennt und ungesondert* vereint. Kolosser 2,9: *„Denn in ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig.“* Das Wort *leibhaftig* (griech. *sōmatikōs*) ist entscheidend: Nicht bloß geistlich, nicht symbolisch, sondern in einem echten menschlichen Leib wohnt die *gesamte Fülle* der Gottheit. 1. Timotheus 3,16: *„Und kündlich groß ist das gottselige Geheimnis: Gott ist offenbart im Fleisch, gerechtfertigt im Geist, erschienen den Engeln, gepredigt den Heiden, geglaubt in der Welt, aufgenommen in die Herrlichkeit.„*

Diese Einheit zeigt sich in den Evangelien in einer faszinierenden Gleichzeitigkeit: Er schläft im Boot (menschlich) und gebietet dem Sturm (göttlich; Markus 4,38–39: *„Und er war hinten auf dem Schiff und schlief auf einem Kissen. Und sie weckten ihn auf … Und er stand auf und bedrohte den Wind und sprach zu dem Meer: Schweig und verstumme!“*). Er weint am Grab des Lazarus (menschlich) und ruft den Toten heraus (göttlich; Johannes 11,35.43). Er dürstet am Kreuz (menschlich; Johannes 19,28: *„Mich dürstet.„*) und spricht dem Schächer das Paradies zu (göttlich; Lukas 23,43: *„Heute wirst du mit mir im Paradiese sein.“*). In jeder Szene handelt die *eine* Person in beiden Naturen.


Die Taufe Jesu — Offenbarung der Dreieinigkeit

Die Taufe Jesu im Jordan durch Johannes den Täufer ist einer der bedeutsamsten Momente der Heilsgeschichte, denn hier offenbart sich die gesamte Dreieinigkeit gleichzeitig und sichtbar:

Matthäus 3, 16-17 (Luther 1912) Und da Jesus getauft war, stieg er alsbald herauf aus dem Wasser. Und siehe, da tat sich ihm der Himmel auf, und er sah den Geist Gottes gleich als eine Taube herabfahren und über ihn kommen. Und siehe, eine voice vom Himmel herab sprach: Dies ist mein lieber Sohn, an welchem ich Wohlgefallen habe.

Drei göttliche Personen, drei gleichzeitige Handlungen: der Sohn steigt aus dem Wasser, der Heilige Geist kommt als Taube herab, der Vater spricht vom Himmel. Dies ist keine abstrakte Doktrin, sondern sichtbare, hörbare, erfahrbare Realität.

Warum ließ sich der Sündlose taufen? Nicht wegen eigener Sünde, sondern um sich mit den Sündern solidarisch zu erklären: Matthäus 3,15: *„Lass es jetzt also sein! also gebührt es uns, alle Gerechtigkeit zu erfüllen.„* In der Taufe identifiziert sich der Reine mit den Unreinen — ein Vorausblick auf das Kreuz, wo er sich vollständig mit der Sünde der Menschheit identifizierte: 2. Korinther 5,21: *„Denn er hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht.“* Das Untertauchen im Jordan ist ein Bild des Todes, das auftauchen ein Bild der Auferstehung. Jesu gesamter Weg — vom Jordan nach Golgatha und zum leeren Grab — ist in dieser Taufszene bereits symbolisch enthalten.


Die Versuchung in der Wüste

Unmittelbar nach der Taufe führte der Heilige Geist Jesus in die Wüste, um vom Teufel versucht zu werden. Diese vierzig Tage sind das Gegenstück zu den vierzig Jahren Israels in der Wüste — wo Israel versagte, bestand Christus.

Matthäus 4, 1 Da ward Jesus vom Geist in die Wüste geführt, auf dass er von dem Teufel versucht würde.

Die drei Versuchungen folgen einer theologisch präzisen Struktur:

Erste Versuchung: Brot (Lust des Fleisches)

Matthäus 4,3: *„Und der Versucher trat zu ihm und sprach: Bist du Gottes Sohn, so sprich, dass diese Steine Brot werden.„* Satan greift den physischen Hunger an und will Jesus dazu verleiten, seine göttliche Macht für eigene Bedürfnisse einzusetzen. Jesus antwortet mit der Schrift: Matthäus 4,4: *„Er aber antwortete und sprach: Es steht geschrieben: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeglichen Wort, das durch den Mund Gottes geht.“* (Zitat aus 5. Mose 8,3: *„dass der Mensch nicht lebt vom Brot allein, sondern von allem, was aus dem Munde des HERRN geht„*). Wo Adam im Garten bei der Frucht versagte, besteht der *letzte Adam* in der Wüste bei den Steinen.

Zweite Versuchung: Tempelzinne (Hoffart des Lebens)

Matthäus 4,6: *„Und sprach zu ihm: Bist du Gottes Sohn, so lass dich hinab; denn es steht geschrieben: Er wird seinen Engeln über dir Befehl tun.“* Satan zitiert nun selbst die Schrift — Psalm 91,11 (*„Denn er hat seinen Engeln befohlen über dir„*) — aber er reißt sie aus dem Zusammenhang. Jesus durchschaut die Verdrehung und antwortet: Matthäus 4,7: *„Du sollst Gott, deinen HERRN, nicht versuchen.“* (Zitat aus 5. Mose 6,16: *„Ihr sollt den HERRN, euren Gott, nicht versuchen„*). Wo Israel Gott in Massa versuchte, indem es Wasser forderte, da verweigert Christus jede Erpressung Gottes.

Dritte Versuchung: Alle Reiche der Welt (Augenlust)

Matthäus 4,9: *„Das alles will ich dir geben, so du niederfällst und mich anbetest.“* Satan bietet die Weltherrschaft *ohne* das Kreuz — ein Weg zur Krone *ohne* die Dornenkrone. Es ist die subtilste Versuchung. Jesus antwortet mit absoluter Endgültigkeit: Matthäus 4,10: *„Hebe dich weg von mir, Satan! denn es steht geschrieben: Du sollst anbeten Gott, deinen HERRN, und ihm allein dienen.„* (Zitat aus 5. Mose 6,13: *„Du sollst den HERRN, deinen Gott, fürchten und ihm dienen“*).

Die dreifache Versuchung korrespondiert exakt mit der dreifachen Struktur der Sünde nach 1. Johannes 2,16: *„Denn alles, was in der Welt ist, des Fleisches Lust und der Augen Lust und hoffärtiges Leben, ist nicht vom Vater, sondern von der Welt.„* Und sie korrespondiert mit der dreifachen Versuchung Evas im Garten: der Baum war *gut zur Speise* (Fleischeslust), *eine Lust für die Augen* (Augenlust) und *begehrenswert, klug zu machen* (Hoffart des Lebens; 1. Mose 3,6: *„Und das Weib sah, dass von dem Baum gut zu essen wäre und dass er lieblich anzusehen und ein lustiger Baum wäre, weil er klug machte“*). Wo Eva und Adam fielen, da siegte Christus — mit keiner anderen Waffe als dem geschriebenen Wort Gottes. Dreimal sagte er: *Es steht geschrieben*. Dreimal zitierte er aus dem fünften Buch Mose — dem Buch, das Israels Wüstengehorsam einforderte.


Die Prophezeiungen des Alten Testaments und ihre Erfüllung

Das Alte Testament enthält ein dichtes Netz messianischer Weissagungen, die in Jesus Christus ihre exakte Erfüllung finden. Jede einzelne Prophezeiung ist ein Faden; zusammengenommen weben sie ein Porträt, das nur auf eine einzige Person in der gesamten Menschheitsgeschichte passt.

Geburt und Herkunft

Prophezeiung Altes Testament Erfüllung Neues Testament
Aus dem Samen der Frau 1. Mose 3,15 Jungfrauengeburt Galater 4,4
Aus dem Geschlecht Abrahams 1. Mose 22,18 Stammbaum bestätigt Matthäus 1,1
Aus dem Stamm Juda 1. Mose 49,10 Genealogie Hebräer 7,14
Aus dem Hause Davids 2. Samuel 7,12–13 Sohn Davids Lukas 1,32
Geboren in Bethlehem Micha 5,1 Geburtsort bestätigt Matthäus 2,1
Von einer Jungfrau geboren Jesaja 7,14 Erfüllt durch Maria Matthäus 1,22–23
Anbetung der Heiden und Geschenke Psalm 72,10 Die Weisen aus dem Morgenland Matthäus 2,11
Kindermord Jeremia 31,15 Herodes' Kindermord Matthäus 2,16
Flucht nach Ägypten Hosea 11,1 Rückkehr aus Ägypten Matthäus 2,15

Wirken und Charakter

Prophezeiung Altes Testament Erfüllung Neues Testament
Vorläufer (Johannes der Täufer) Jesaja 40,3 Johannes als Wegbereiter Matthäus 3,1–3
Dienst in Galiläa Jesaja 8,23 Kapernaum als Zentrum Matthäus 4,13–16
Reden in Gleichnissen Psalm 78,2 Jesus lehrt in Gleichnissen Matthäus 13,34
Wunder und Heilungen Jesaja 35,5–6 Jesu Heilungswunder Matthäus 11,5
Einzug in Jerusalem auf einem Esel Sacharja 9,9 Palmsonntag Matthäus 21,5
Tempelreinigung Psalm 69,10 Jesus reinigt den Tempel Johannes 2,17
Verworfen als Eckstein Psalm 118,22 Von den Führern verworfen Apostelgeschichte 4,11
Gesalbt mit dem Geist Jesaja 61,1 Antrittsrede in Nazareth Lukas 4,18

Leiden, Tod und Auferstehung

Prophezeiung Altes Testament Erfüllung Neues Testament
Verraten für dreißig Silberlinge Sacharja 11,12 Judas' Verrat Matthäus 26,15
Silberlinge in den Tempel geworfen und zum Ackerkauf verwendet Sacharja 11,13 Judas warf das Geld in den Tempel; ein Töpferacker wurde gekauft Matthäus 27,5–7
Von den eigenen Leuten verlassen Sacharja 13,7 Jünger fliehen Matthäus 26,56
Geschlagen und bespien Jesaja 50,6 Misshandlung vor dem Hohen Rat Matthäus 26,67
Schweigen vor seinen Anklägern Jesaja 53,7 Schweigen vor Pilatus Matthäus 27,12
Hände und Füße durchbohrt Psalm 22,17 Kreuzigung Johannes 20,25
Verlosung der Kleider Psalm 22,19 Erfüllt am Kreuz Johannes 19,24
Essig zu trinken Psalm 69,22 Essigschwamm am Kreuz Matthäus 27,34
Kein Knochen zerbrochen Psalm 34,21 Beine nicht gebrochen Johannes 19,33
Seite durchbohrt Sacharja 12,10 Lanzenstich Johannes 19,34
Begräbnis im Grab eines Reichen Jesaja 53,9 Joseph von Arimathäa Matthäus 27,57–60
Auferstehung Psalm 16,10 Auferstanden am dritten Tag Apostelgeschichte 2,31
Himmelfahrt Psalm 68,19 Auffahrt gen Himmel Apostelgeschichte 1,9
Sitzend zur Rechten Gottes Psalm 110,1 Erhöhung Hebräer 1,3

Jesaja 53 — Das Herzstück der messianischen Prophetie

Kein alttestamentlicher Abschnitt zeichnet das Leiden des Messias mit solcher erschütternden Präzision wie das vierte Gottesknechtslied des Propheten Jesaja. Es verdient eine vollständige Betrachtung:

Jesaja 53, 3-6 (Luther 1912) Er war der Allerverachtetste und Unwerteste, voller Schmerzen und Krankheit. Er war so verachtet, dass man das Angesicht vor ihm verbarg; darum haben wir ihn für nichts geachtet. Fürwahr, er trug unsre Krankheit und lud auf sich unsre Schmerzen. Wir aber hielten ihn für den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert wäre. Aber er is um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilet. Wir gingen alle in der Irre wie Schafe, ein jeglicher sah auf seinen Weg; aber der HERR warf unser aller Sünde auf ihn.

Der Text entfaltet das Prinzip der stellvertretenden Sühne: *Er* trug, was *wir* verdient hatten. *Er* wurde verwundet, damit *wir* geheilt werden. *Er* wurde zerschlagen, damit *wir* Frieden haben. Das Personalpronomen wechselt ständig — unsere Krankheit, *seine* Wunden; unsere Sünde, *seine* Strafe. In dieser grammatischen Spannung liegt das gesamte Evangelium.

Psalm 22 — Der Kreuzespsalm

Neben Jesaja 53 is Psalm 22 der zweite große prophetische Text über das Leiden des Messias. Geschrieben von David rund tausend Jahre vor Christus, beschreibt er eine Todesart (die Kreuzigung), die zu Davids Zeiten im israelitischen Kulturraum *unbekannt* war (erst die Römer perfektionierten sie). Umso erschütternder ist die Präzision:

  • V. 2: Psalm 22,2 (*„Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?„*) — genau die Worte, die Jesus am Kreuz schrie (Matthäus 27,46: *„Eli, Eli, lama asabthani?“*).
  • V. 7-8: Psalm 22,7–8 (*„Ich aber bin ein Wurm und kein Mensch, ein Spott der Leute und Verachtung des Volks. Alle, die mich sehen, spotten mein, sperren das Maul auf und schütteln den Kopf.„*) — Erfüllt: Matthäus 27,39 (*„Die aber vorübergingen, lästerten ihn und schüttelten ihre Köpfe.“*).
  • V. 9: Psalm 22,9 (*„Er klage es dem HERRN, der helfe ihm aus und errette ihn, hat er Lust zu ihm.„*) — Wortwörtlich erfüllt durch den Spott der Obersten: Matthäus 27,43 (*„Er hat Gott vertrauet; der erlöse ihn nun, hat er Lust zu ihm.“*).
  • V. 15-16: Psalm 22,15–16 (*„Ich bin ausgeschüttet wie Wasser, und alle meine Gebeine haben sich zertrennt; mein Herz ist in meinem Leibe wie zerschmolzenes Wachs. Meine Kräfte sind vertrocknet wie eine Scherbe, und meine Zunge klebt an meinem Gaumen.„*) — Eine anatomisch präzise Beschreibung des Kreuzigungstodes: Dehydrierung, Gelenkauskugelung, Herzversagen.
  • V. 17: Psalm 22,17 (*„sie haben meine Hände und Füße durchgraben.“*) — *Durchgraben* (hebr. *ka'ari* in vielen Handschriften als *karu* gelesen) beschreibt das Durchbohren bei der Kreuzigung.
  • V. 19: Psalm 22,19 (*„Sie teilen meine Kleider unter sich und werfen das Los um mein Gewand.„*) — wortwörtlich erfüllt (Johannes 19,24: *„Auf dass erfüllet würde die Schrift“*).

Doch Psalm 22 endet nicht im Tod. Ab Vers 23 wendet sich der Ton dramatisch — vom Todesschrei zum Triumphgesang: Psalm 22,28 (*„Es werden gedenken und sich zum HERRN bekehren aller Welt Enden und vor ihm anbeten alle Geschlechter der Heiden.„*). Das Kreuz ist nicht das Ende; die Auferstehung folgt, und die Anbetung aller Völker wird die Frucht sein. Wenn Jesus am Kreuz diesen Psalm zitiert, zitiert er nicht nur den Anfang (die Gottverlassenheit), sondern ruft den *gesamten* Psalm ins Gedächtnis — einschließlich des Triumphs.


Die Typologie des Alten Testaments

Typologie bedeutet: Eine Person, ein Ereignis oder eine Einrichtung des Alten Testaments ist ein von Gott vorherbestimmtes *Schattenbild* (griech. *typos*), dessen volle Wirklichkeit (*antitypos*) erst in Christus erscheint. Kolosser 2,17: *„welches ist der Schatten von dem, das zukünftig war; aber der Körper selbst ist in Christo.“*

Das Wort *typos* (τύπος) bedeutet im Griechischen „Abdruck, Prägung, Muster„ — wie der Abdruck eines Siegels im Wachs. Der Abdruck deutet auf das Siegel hin, ist aber nicht das Siegel selbst. So deuten alle alttestamentlichen Typen auf Christus hin, ohne ihn je vollständig darzustellen. Erst in ihm wird sichtbar, *worauf* alles zielte. Hebräer 10,1: *„Denn das Gesetz hat nur den Schatten von den zukünftigen Gütern, nicht das Wesen der Güter selbst.“*

Adam — Das Haupt der alten und der neuen Menschheit

Adam ist der erste *Typus Christi*, den die Schrift ausdrücklich so nennt: Römer 5,14: *„welcher ist ein Bild des, der zukünftig war.„* Der Vergleich funktioniert über den Kontrast:

Adam (Typus) Christus (Antitypus) Schrift
Ungehorsam → Sünde und Tod Gehorsam → Gerechtigkeit und Leben Römer 5,19: *„Denn gleichwie durch eines Menschen Ungehorsam viele Sünder geworden sind, also auch durch eines Gehorsam werden viele Gerechte.“*
Erster Adam: lebendige Seele Letzter Adam: lebendig machender Geist 1. Korinther 15,45: *„Der erste Mensch, Adam, ward zu einer lebendigen Seele, und der letzte Adam zum Geist, der da lebendig macht„*
Von der Erde, irdisch Vom Himmel, himmlisch 1. Korinther 15,47: *„Der erste Mensch ist von der Erde und irdisch; der andere Mensch ist der HERR vom Himmel.“*
Im Garten versagt Im Garten (Gethsemane) gehorsam bis zum Tod Lukas 22,42: *„Vater, willst du, so nimm diesen Kelch von mir; doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe!„*
Adams Seite wurde geöffnet → Eva entstand Christi Seite wurde geöffnet → die Gemeinde entstand Johannes 19,34: *„sondern der Kriegsknechte einer öffnete seine Seite mit einem Speer, und alsbald ging Blut und Wasser heraus.“* Blut = Erlösung; Wasser = Reinigung
Im Garten Eden: Baum der Erkenntnis brachte Tod Auf Golgatha: Holz des Kreuzes brachte Leben 1. Petrus 2,24: *„welcher unsre Sünden selbst hinaufgetragen hat an seinem Leibe auf das Holz„*

Isaak — Das Opfer des einzigen Sohnes

Abrahams Bereitschaft, seinen einzigen, geliebten Sohn Isaak auf dem Berg Morija zu opfern (1. Mose 22), ist eines der erschütterndsten Vorbilder des Kreuzes.

  • 1. Mose 22,2 (*„Nimm Isaak, deinen einzigen Sohn, den du lieb hast, und gehe hin in das Land Morija und opfere ihn daselbst zum Brandopfer“*) → Johannes 3,16 (*„Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab„*) — Der Vater gibt seinen einzigen, geliebten Sohn.
  • Isaak trug das Holz auf dem Rücken (1. Mose 22,6: *„und nahm das Holz zum Brandopfer und legte es auf seinen Sohn Isaak“*) → Christus trug das Kreuzesholz (Johannes 19,17: *„und er trug sein Kreuz und ging hinaus zur Stätte, die da heißt Schädelstätte„*).
  • Auf Morija wurde später der Tempel Salomos erbaut (2. Chronik 3,1: *„Und Salomo fing an zu bauen das Haus des HERRN zu Jerusalem auf dem Berge Morija“*) — derselbe Gebirgszug, auf dem Golgatha liegt. Gott wählte den Ort von Anfang an.
  • Isaak fragte: 1. Mose 22,7: *„Wo ist aber das Schaf zum Brandopfer?„* Abrahams prophetische Antwort: 1. Mose 22,8: *„Gott wird sich ersehen ein Schaf zum Brandopfer.“* — *Gott selbst* wird das Opfer bereitstellen. Auf Golgatha wurde diese Verheißung buchstäblich erfüllt: Gott stellte *seinen eigenen Sohn* als Opferlamm.
  • Isaak wurde auf dem Altar gebunden — aber nicht getötet; ein Widder starb an seiner Stelle (1. Mose 22,13: *„Da hob Abraham seine Augen auf und sah einen Widder hinter sich in der Hecke mit seinen Hörnern hangen. Und ging hin und nahm den Widder und opferte ihn zum Brandopfer an seines Södnes Statt.„*). Im Typos wird der Sohn gerettet und ein Stellvertreter stirbt. Im Antitypos gibt es keinen Stellvertreter für den Sohn — *er selbst* ist der Stellvertreter, der für *uns* stirbt.
  • Der Hebräerbrief deutet das Geschehen als *Gleichnis* der Auferstehung: Hebräer 11,19: *„Denn er dachte, Gott kann auch wohl von den Toten erwecken; daher er auch ihn zum Vorbilde wiederbekam.“* Abraham empfing Isaak „als Vorbild„ (griech. *en parabolē*) von den Toten zurück — ein vorschattendes Bild der Auferstehung.

Joseph — Der Leidende, der zum Retter wird

Joseph (der Sohn Jakobs) ist vielleicht der umfassendste alttestamentliche Typus Christi:

Joseph Jesus Christus
Geliebter Sohn des Vaters (1. Mose 37,3: *„Israel aber hatte Joseph lieber denn alle seine Kinder“*) Geliebter Sohn des Vaters (Matthäus 3,17: *„Dies ist mein lieber Sohn„*)
Von den eigenen Brüdern gehasst und verworfen Von seinem eigenen Volk verworfen (Johannes 1,11: *„Er kam in sein Eigentum; und die Seinen nahmen ihn nicht auf.“*)
Für Silberstücke verkauft (1. Mose 37,28: *„und verkauften ihn den Ismaeliten um zwenty Silberlinge„*) Für Silberlinge verraten
Unschuldig ins Gefängnis (Tod) geworfen Unschuldig gekreuzigt
Zwischen zwei Gefangenen; einer gerettet, einer nicht Zwischen zwei Verbrechern; einer gerettet (Lukas 23,43: *„Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradiese sein.“*)
Erhöht zur Rechten des Pharao Erhöht zur Rechten Gottes
Rettete die Welt vor dem Hungertod Rettet die Welt vor dem ewigen Tod
Brüder erkannten ihn beim zweiten Mal Israel wird ihn bei seinem zweiten Kommen erkennen (Sacharja 12,10: *„und sie werden mich ansehen, welchen sie zerstochen haben„*)
Erhielt einen heidnischen Namen und eine heidnische Braut (1. Mose 41,45: *„und nannte ihn den heimlichen Rat und gab ihm zum Weibe Asnath“*) In der Zeit der Verwerfung durch Israel erwirbt er sich eine Braut aus den Heiden: die Gemeinde
Joseph vergibt seinen Brüdern und weint über ihnen (1. Mose 45,2: *„und er weinte laut„*) Christus weinte über Jerusalem (Lukas 19,41: *„Und als er nahe hinzukam, sah er die Stadt an und weinte über sie“*) und vergibt seinen Mördern (Lukas 23,34: *„Vater, vergib ihnen„*)

Mose — Der Prophet wie Mose

5. Mose 18,15: *„Einen Propheten wie mich wird dir der HERR, dein Gott, erwecken aus dir und aus deinen Brüdern; dem sollt ihr gehorchen.“* Mose selbst weissagt einen kommenden Propheten, der ihm gleich sein wird — und doch größer. Petrus bestätigt die Erfüllung in Jesus (Apostelgeschichte 3,22: *„Mose hat gesagt zu den Vätern: Einen Propheten wird euch der HERR, euer Gott, erwecken aus euren Brüdern, gleichwie mich„*).

Parallelen:

  • Beide als Säuglinge vom Tod bedroht und wundersam gerettet
  • Beide fasteten vierzig Tage in der Wüste
  • Beide waren Mittler eines Bundes
  • Mose führte Israel durch das Rote Meer — Christus führt die Gläubigen durch die Taufe in das neue Leben
  • Mose brachte das Manna (zeitlich) — Christus ist das wahre Brot vom Himmel (ewig): Johannes 6,35: *„Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern“*
  • Mose war Mittler del Alten Bundes am Sinai — Christus ist der Mittler des Neuen Bundes: Hebräer 9,15: *„Und darum ist er auch ein Mittler des neuen Testaments„*
  • Moses Angesicht leuchtete vorübergehend (2. Mose 34,29: *„wusste aber nicht, dass die Haut seines Angesichts glänzte“*); Christi Verklärung offenbarte eine ewige Herrlichkeit (Matthäus 17,2: *„und sein Angesicht leuchtete wie die Sonne, und seine Kleider wurden weiß als ein Licht„*)

Der Sündenbock — Das doppelte Opfer des Versöhnungstages

Am großen Versöhnungstag (*Jom Kippur*; 3. Mose 16) wurden zwei Ziegenböcke genommen. Über den einen wurde das Los „für den HERRN“ geworfen; er wurde geschlachtet, und sein Blut wurde in das Allerheiligste gebracht (3. Mose 16,15: *„Darnach soll er den Bock, des Volks Sündopfer, schlachten und sein Blut hineinbringen hinter den Vorhang„*). Über den zweiten Bock — den Sündenbock (hebr. *Azazel*) — legte der Hohepriester beide Hände auf und bekannte über ihm alle Sünden des Volkes: 3. Mose 16,21: *„Da soll Aaron seine beiden Hände auf sein Haupt legen und über ihn bekennen alle Missetat der Kinder Israel und alle ihre Übertretung in allen ihren Sünden und soll sie dem Bock auf das Haupt legen und ihn durch einen Mann, der bereit ist, in die Wüste laufen lassen.“* Dann wurde der Bock in die Wüste geschickt, um „alle ihre Missetat auf sich in eine Wildnis„ zu tragen (V. 22).

Beide Böcke zusammen bilden ein vollständiges Bild des Werkes Christi: Der geschlachtete Bock zeigt sein *Blutopfer* — er starb, um den Zorn Gottes zu stillen. Der lebende, fortgesandte Bock zeigt die *Wegnahme der Sünde* — sie wird so weit entfernt, wie der Osten vom Westen: Psalm 103,12: *„So ferne der Morgen ist vom Abend, lässt er unsre Übertretungen von uns sein.“* Christus ist beides: das geschlachtete Opfer *und* der Sündenbock. Er trug unsere Sünden am Kreuz (1. Petrus 2,24: *„welcher unsre Sünden selbst hinaufgetragen hat an seinem Leibe auf das Holz„*) und entfernte sie *für immer* (Hebräer 9,26: *„nun aber am Ende der Welt ist er einmal erschienen, durch sein eigen Opfer die Sünde aufzuheben“*).

Die fünf Opfer des Levitikus — Christus in jedem Opfer

Das alttestamentliche Opfersystem (3. Mose 1–7) kennt fünf Hauptopferarten. Jede einzelne beleuchtet einen anderen Aspekt des einen Opfers Christi:

Opfer Schrift Typologische Bedeutung
Brandopfer (hebr. *Olah*, „das Aufsteigende„) 3. Mose 1,3: *„Will jemand ein Brandopfer tun vom Rind, so opfere er ein Männlein, das ohne Fehl sei“* Vollständige Hingabe an Gott; Christus gab sich *ganz* (Epheser 5,2: *„gleichwie auch Christus uns hat geliebt und sich selbst dargegeben für uns als Gabe und Opfer, Gott zu einem süßen Geruch.„*)
Speisopfer (hebr. *Minchah*) 3. Mose 2,1: *„Wenn eine Seele dem HERRN ein Speisopfer tun will, so soll es Semmelmehl sein“* Das sündlose Leben Christi; Feinmehl ohne Sauerteig = vollkommene Reinheit; das Öl = der Heilige Geist; der Weihrauch = Wohlgeruch vor Gott
Dankopfer / Friedensopfer (hebr. *Schelamim*) 3. Mose 3,1: *„Ist aber sein Opfer ein Dankopfer„* Frieden und Gemeinschaft mit Gott, gestiftet durch Christus; Epheser 2,14: *„Denn er ist unser Friede“*; beim Friedensopfer aßen Priester und Opfernder gemeinsam — Bild der Gemeinschaft am Tisch des Herrn
Sündopfer (hebr. *Chattat*) 3. Mose 4,3: *„So soll er für seine Sünde, die er getan hat, einen jungen Farren opfern, der ohne Fehl sei„* Christus als Stellvertreter, der *für* unsere Sünde starb; 2. Korinther 5,21: *„Denn er hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht“*
Schuldopfer (hebr. *Ascham*) 3. Mose 5,15: *„So jemand sich vergreift und sich versündigt an dem, das dem HERRN geweiht ist„* Christus bezahlt die *Schuld* der Sünde — den konkreten Schaden, den Sünde anrichtet; Jesaja 53,10: *„Wenn er sein Leben zum Schuldopfer gegeben hat“* — hier wird ausdrücklich *Ascham* verwendet

Die Stiftshütte — Christus im Heiligtum

Jedes Element der Stiftshütte (2. Mose 25–40) verweist auf Christus:

Element Verweis auf Christus
Die Tür (einziger Eingang) Johannes 10,9: *„Ich bin die Tür; so jemand durch mich eingeht, der wird selig werden„*
Der Brandopferaltar Sein Kreuzesopfer (Hebräer 10,10: *„sind wir geheiligt auf einmal durch das Opfer des Leibes Jesu Christi“*)
Das Waschbecken Reinigung durch sein Wort (Epheser 5,26: *„auf dass er sie heiligte, und hat sie gereinigt durch das Wasserbad im Wort„*)
Der Leuchter (siebenarmig) Johannes 8,12: *„Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.“*
Der Schaubrot-Tisch (12 Brote) Johannes 6,51: *„Ich bin das lebendige Brot, vom Himmel gekommen. Wer von diesem Brot essen wird, der wird leben in Ewigkeit.„*
Der Räucheraltar Sein Fürbittegebet (Hebräer 7,25: *„Daher kann er auch selig machen immerdar, die durch ihn zu Gott kommen, und lebt immerdar und bittet für sie.“*)
Der Vorhang Sein Fleisch (Hebräer 10,20: *„welchen er uns bereitet hat zum neuen und lebendigen Wege durch den Vorhang, das ist durch sein Fleisch„*) — bei seinem Tod zerriss der Vorhang (Matthäus 27,51: *„Und siehe, der Vorhang im Tempel zerriss in zwei Stücke von obenan bis untenaus.“*)
Die Bundeslade Gottes Gegenwart unter den Menschen, erfüllt in Christus (Johannes 1,14: *„Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns„*) — „wohnte“ (griech. *eskēnōsen*) bedeutet wörtlich: „zeltete„, „schlug seine Stiftshütte auf“
Der Gnadenthron Der Ort der Sühne (Römer 3,25: *„welchen Gott hat vorgestellt zu einem Gnadenstuhl durch den Glauben in seinem Blut„*)

Die Materialien der Stiftshütte selbst verweisen auf Christus: Das Gold steht für seine göttliche Natur, das Silber (das Lösegeld; vgl. 2. Mose 30,16: *„und sollst es geben zur Arbeit der Hütte des Stifts“*) für die Erlösung, das Kupfer (am Brandopferaltar und Waschbecken) für das Gericht über die Sünde, das Akazienholz (unverwesliches Holz) für seine unvergängliche Menschheit, und die weißen Leinentücher für seine makellose Gerechtigkeit. Selbst die Farben der Vorhänge sind prophetisch: Blau (himmlische Herkunft), Purpur (königliche Würde), Scharlach (vergossenes Blut) und Weiß (Reinheit).

Die Feste Israels — Der prophetische Kalender Gottes

Die sieben Feste Mose (3. Mose 23) sind ein prophetischer Kalender, in dem jedes Fest auf ein Heilsereignis Christi hinweist:

Fest Zeitpunkt Erfüllung in Christus
Passah 14. Nisan Kreuzigung — das wahre Passahlamm (1. Korinther 5,7: *„Denn wir haben auch ein Osterlamm, das ist Christus, für uns geopfert.„*)
Ungesäuerte Brote 15.–21. Nisan Sein sündloser Leib im Grab (Sauerteig = Sünde; sein Leib war ohne Sünde)
Erstlingsgarbe Tag nach dem Sabbat Auferstehung (1. Korinther 15,20: *„Nun aber ist Christus auferstanden von den Toten und der Erstling geworden unter denen, die da schlafen.“*)
Pfingsten (Schawuot) 50 Tage nach Erstlingsgarbe Ausgießung des Heiligen Geistes (Apostelgeschichte 2,4: *„Und sie wurden alle voll des Heiligen Geistes und fingen an, zu predigen in andern Sprachen„*)
Posaunenfest (Jom Teruah) 1. Tischri Die Posaune der Wiederkunft (1. Thessalonicher 4,16: *„denn er selbst, der HERR, wird mit einem Feldgeschrei und der voice des Erzengels und mit der Posaune Gottes herniederkommen vom Himmel“*)
Versöhnungstag (Jom Kippur) 10. Tischri Endgültige nationale Buße Israels (Sacharja 12,10: *„und sie werden mich ansehen, welchen sie zerstochen haben, und werden um ihn klagen„*)
Laubhüttenfest (Sukkot) 15.–21. Tischri Gottes endgültiges Wohnen bei den Menschen (Offenbarung 21,3: *„Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! und er wird bei ihnen wohnen“*)

Die ersten vier Feste (Frühjahrsfeste) sind durch Kreuzigung, Grablegung, Auferstehung und Pfingsten bereits *exakt am prophezeiten Kalendertag* erfüllt worden. Die letzten drei Feste (Herbstfeste) harren noch ihrer Erfüllung bei der Wiederkunft Christi.

Zwischen den Frühjahrsfesten und den Herbstfesten liegt eine lange Sommerpause — die Zeit der Ernte. Typologisch entspricht dies der gegenwärtigen Zeit der Gemeinde, in der das Evangelium in alle Welt geht: Matthäus 9,37 (*„Die Ernte ist groß, aber wenige sind der Arbeiter.„*). Die Herbstfeste werden erfüllt werden, wenn Gott sein Handeln mit Israel wieder aufnimmt.

Weitere Typen im Überblick

Alttestamentlicher Typus Christus als Antitypus
Noahs Arche — einziger Ort der Rettung vor dem Gericht Christus — einzige Rettung vor dem ewigen Gericht
Der Fels, aus dem Wasser floss 2. Mose 17,6: *„Siehe, ich will daselbst stehen vor dir auf dem Fels am Horeb, und du sollst den Fels schlagen, so wird Wasser herauslaufen“* → 1. Korinther 10,4: *„sie tranken aber von dem geistlichen Fels, der mitfolgte, welcher war Christus„*
Die eherne Schlange in der Wüste 4. Mose 21,9: *„Da machte Mose eine eherne Schlange und richtete sie auf hoch; und wenn eine Schlange jemand biss, so sah er die eherne Schlange an und blieb leben.“* → Johannes 3,14–15: *„Und wie Mose in der Wüste eine Schlange erhöht hat, also muss des Menschen Sohn erhöht werden, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.„*
Jona — drei Tage im Fisch Drei Tage im Grab (Matthäus 12,40: *„Denn gleichwie Jona war drei Tage und drei Nächte in des Walfisches Bauch, also wird des Menschen Sohn drei Tage und drei Nächte in der Erde Herz sein.“*)
Boas — der lösende Verwandte für Ruth Christus — der Löser, der die Menschheit durch Verwandtschaft (Menschwerdung) und durch Preis (sein Blut) erlöst
David — der Hirtenkönig, erst verworfen, dann regierend Christus — erst verworfen, dann regierend in Ewigkeit
Salomo — König des Friedens, Erbauer des Tempels Christus — der wahre Friedefürst, Erbauer der lebendigen Gemeinde
Melchisedek — König und Priester ohne Genealogie Christus — ewiger König und Priester (Hebräer 7,3: *„ohne Vater, ohne Mutter, ohne Geschlecht und hat weder Anfang der Tage noch Ende des Lebens. Er ist aber verglichen dem Sohn Gottes und bleibt Priester in Ewigkeit.„*)
Josua — führte Israel ins verheißene Land Jesus (gleicher Name!) führt die Gläubigen in die ewige Ruhe: Hebräer 4,8–9: *„Denn so Josua sie hätte zur Ruhe gebracht, würde er nicht hernach von einem andern Tage gesagt haben. Darum ist noch eine Ruhe vorhanden dem Volke Gottes.“*
Der Roten Kuh Asche 4. Mose 19,2: *„Sage den Kindern Israel, dass sie zu dir führen eine rote Kuh ohne Fehl„* → Christus litt *außerhalb des Lagers* (Hebräer 13,12: *„Darum hat auch Jesus, auf dass er heiligte das Volk durch sein eigen Blut, gelitten draußen vor dem Tor.“*), wie die rote Kuh außerhalb des Lagers verbrannt wurde

Die Genealogie Jesu Christi

Die Bibel überliefert zwei Stammbäume Jesu, die sich wechselseitig ergänzen.

Matthäus 1: Die königliche Linie (Josephs Linie)

Matthäus beginnt sein Evangelium mit den Worten: Matthäus 1,1: *„Dies ist das Buch von der Geburt Jesu Christi, der da ist ein Sohn Davids, des Sohnes Abrahams.„* Er ordnet die Generationen in drei Blöcke zu je vierzehn Gliedern: von Abraham bis David, von David bis zur babylonischen Gefangenschaft, und von der Gefangenschaft bis Christus. Diese Struktur ist kein Zufall — die 14 ist der Zahlenwert des Namens *David* im Hebräischen (ד=4, ו=6, ד=4). Matthäus codiert so die davidische Königslinie in die Struktur selbst hinein.

Bemerkenswert: Matthäus nennt vier Frauen im Stammbaum — Tamar, Rahab, Ruth und die Frau des Uria (Bathseba). Jede von ihnen steht für eine Irregularität, einen Makel, eine heidnische Herkunft oder einen Skandal. Ihre Aufnahme in den Stammbaum des Messias zeigt: Die Gnade Gottes durchbricht jede menschliche Grenze.

Ein weiteres exegetisches Detail: Matthäus übergeht bewusst bestimmte Könige in der davidischen Linie (z. B. Ahasja, Joas, Amazja) — allesamt Nachkommen der gottlosen Atalja, Tochter des Ahab. Gott hatte über das Haus Ahabs ein Gericht bis ins dritte und vierte Glied angekündigt (2. Mose 20,5: *„der die Missetat der Väter heimsucht auf Kinder ins dritte und vierte Glied“*). Matthäus tilgt exakt diese drei Generationen aus dem Stammbaum — ein stilles Zeugnis der göttlichen Gerichtsordnung.

Lukas 3: Die Linie Marias (die biologische Abstammung)

Lukas verfolgt den Stammbaum rückwärts — nicht nur bis Abraham, sondern bis auf Adam, *den Sohn Gottes* (Lukas 3,38: *„welcher war ein Sohn des Enos, welcher war ein Sohn des Seth, welcher war ein Sohn des Adam, welcher war Gottes.„*). Damit zeigt Lukas: Jesus is nicht nur der Messias Israels, sondern der Erlöser der *gesamten* Menschheit — zurückreichend bis zum ersten Menschen.


Die Geburt und Kindheit

Die Ankündigung

Der Engel Gabriel erschien der Jungfrau Maria in Nazareth:

Lukas 1, 31-33 (Luther 1912) Siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären, des Namen sollst du Jesus heißen. Der wird groß sein und ein Sohn des Höchsten genannt werden; und Gott der HERR wird ihm den Stuhl seines Vaters David geben; und er wird ein König sein über das Haus Jakob ewiglich, und seines Königreiches wird kein Ende sein.

Marias Antwort ist Inbegriff des Glaubens: Lukas 1,38: *„Maria aber sprach: Siehe, ich bin des HERRN Magd; mir geschehe, wie du gesagt hast.“*

Die Gaben der Weisen aus dem Morgenland sind prophetisch: Gold — für den König; Weihrauch — für den Priester (der Räucheraltar stand im Heiligtum); Myrrhe — für den Leidenden und Sterbenden (Myrrhe wurde zur Einbalsamierung verwendet; vgl. Johannes 19,39: *„Es kam aber auch Nikodemus … und brachte Myrrhe und Aloe untereinander, bei hundert Pfunden.„*). In drei Gaben ist das gesamte Munus Triplex (Prophet, Priester, König) und das gesamte Heilswerk (Inkarnation, Opfer, Herrschaft) zusammengefasst.

Die Geburt in Bethlehem

Lukas 2,7: *„Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge.“* Der König der Könige betritt die Welt nicht in einem Palast, sondern in einem Stall. Die Krippe — ein Futtertrog — ist ein Bild tiefster Demut. Und doch verkünden die Engel den Hirten: Lukas 2,11: *„denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der HERR, in der Stadt Davids.„*

Der Name *Bethlehem* (hebr. בֵּית לֶחֶם) bedeutet „Haus des Brotes“. Dass das *Brot des Lebens* (Johannes 6,35) im *Haus des Brotes* geboren und in einen *Futtertrog* gelegt wurde, ist göttliche Poesie von erhabener Schönheit.

Die Beschneidung und Darstellung im Tempel

Am achten Tag wurde Jesus beschnitten (Lukas 2,21: *„Und da acht Tage um waren, dass das Kind beschnitten würde, da ward sein Name genannt Jesus„*). Bei der Darstellung im Tempel erkannte der greise Simeon ihn:

Lukas 2, 29-32 (Luther 1912) HERR, nun lässt du deinen Diener in Frieden fahren, wie du gesagt hast; denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen, welchen du bereitet hast vor allen Völkern, ein Licht, zu erleuchten die Heiden, und zum Preis deines Volks Israel.

Simeons Weissagung enthält aber auch einen dunklen Schatten: Lukas 2,35: *„und es wird ein Schwert durch deine Seele dringen“* — ein Vorausblick auf das Kreuz. Die Beschneidung am achten Tag verbindet das Bundeszeichen mit der Zahl der neuen Schöpfung (siehe *Biblische Numerik*).

Der Zwölfjährige im Tempel

Lukas 2,49: *„Was ist's, dass ihr mich gesucht habt? Wisst ihr nicht, dass ich sein muss in dem, das meines Vaters ist?„* — Die ersten überlieferten Worte Jesu offenbaren bereits sein Bewusstsein der einzigartigen Gottessohnschaft. Mit zwölf Jahren — dem Alter der religiösen Mündigkeit — zeigt er, dass sein wahres Zuhause nicht Nazareth ist, sondern das Haus seines Vaters.


Die sieben „Ich bin"-Worte im Johannes-Evangelium

Im Johannesevangelium gebraucht Jesus sieben feierliche *Ich bin*-Aussagen (griech. *egō eimi*), die jeweils mit einem Bild verbunden sind. Jedes Wort offenbart einen Aspekt seines Wesens und seines Heilswerkes — und jedes *egō eimi* erinnert zugleich an den Gottesnamen aus 2. Mose 3,14.

Das griechische *egō eimi* (ἐγώ εἰμι) ist grammatisch auffällig: Im Griechischen ist das Personalpronomen *egō* eigentlich überflüssig, da die Verbform *eimi* bereits die erste Person Singular enthält. Durch das betonte *egō* macht Jesus deutlich, dass er nicht nur irgendeine Aussage über sich macht, sondern eine absolute, göttliche Selbstoffenbarung vollzieht. In der Septuaginta (der griechischen Übersetzung des AT) ist *egō eimi* die Übersetzung des Gottesnamens in Jesaja 43,10: Jesaja 43,10: *„Ich bin's, und vor mir ist kein Gott gemacht“* (LXX: *egō eimi*). Wenn Jesus *egō eimi* sagt, sagt er: *Ich bin JHWH.* Die Juden verstanden dies klar, denn in Johannes 8,59 (*„Da hob sie Steine auf, dass sie auf ihn würfen„*) reagieren sie mit dem Todesversuch wegen Gotteslästerung.

Neben den sieben bildlichen *Ich bin*-Worten gibt es im Johannesevangelium auch absolute, bilderlose *egō eimi*-Aussagen, die den Gottesanspruch noch direkter zum Ausdruck bringen: Johannes 8,24: *„Denn so ihr nicht glaubet, dass ich es sei, so werdet ihr sterben in euren Sünden.“* Und: Johannes 8,28: *„Wenn ihr des Menschen Sohn erhöhen werdet, dann werdet ihr erkennen, dass ich es sei.„* Und am kraftvollsten: Johannes 18,6: *„Als nun Jesus zu ihnen sprach: Ich bin's! wichen sie zurück und fielen zu Boden.“* — Allein das Aussprechen des göttlichen *egō eimi* warf die bewaffnete Kohorte zu Boden. Für einen kurzen Moment blitzte die göttliche Majestät durch die Knechtsgestalt hindurch.

Nr. „Ich bin„-Wort Schriftstelle Bedeutung
1 Das Brot des Lebens Johannes 6,35: *„Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten.“* Er stillt den tiefsten Hunger der Seele — Gegenbild zum Manna der Wüste; vgl. Brot
2 Das Licht der Welt Johannes 8,12: *„Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.„* Er vertreibt die Finsternis der Sünde und des Todes; vgl. Licht
3 Die Tür Johannes 10,9: *„Ich bin die Tür; so jemand durch mich eingeht, der wird selig werden und wird ein- und ausgehen und Weide finden.“* Der einzige Zugang zum Heil
4 Der gute Hirte Johannes 10,11: *„Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe.„* Erfüllung von Psalm 23 und Hesekiel 34; er kennt, leitet, schützt und stirbt für die Seinen
5 Die Auferstehung und das Leben Johannes 11,25: *„Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, ob er gleich stürbe.“* Er ist nicht nur der *Geber* des Lebens, sondern das Leben *selbst*
6 Der Weg, die Wahrheit und das Leben Johannes 14,6: *„Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich.„* Dreifache Exklusivität: der einzige Weg, die absolute Wahrheit, die Quelle des Lebens
7 Der wahre Weinstock Johannes 15,1: *„Ich bin der rechte Weinstock, und mein Vater der Weingärtner.“* Lebensgemeinschaft mit ihm als Voraussetzung aller Frucht; vgl. Weinstock

Die Gleichnisse Jesu

Jesus lehrte in Gleichnissen (griech. *parabolē* — „Nebeneinanderstellung„), um himmlische Wahrheiten durch irdische Bilder zu vermitteln. Matthäus 13,34: *„Solches alles redete Jesus durch Gleichnisse zu dem Volk, und ohne Gleichnis redete er nicht zu ihnen.“* Seine Gleichnisse offenbaren das Reich Gottes in seinen verschiedenen Aspekten:

Das Reich Gottes in seiner Gegenwart

  • Der Sämann (Matthäus 13,3: *„Siehe, es ging ein Sämann aus, zu säen„*): Das Wort Gottes fällt auf verschiedene Herzen — nur das gute Land bringt Frucht. Das Gleichnis offenbart: Das Reich kommt nicht durch politische Macht, sondern durch das gesäte Wort.
  • Das Senfkorn (Matthäus 13,31: *„Das Himmelreich ist gleich einem Senfkorn“*): Aus dem Kleinsten wird das Größte — das Reich Gottes beginnt unscheinbar und wächst über alle Erwartung hinaus.
  • Der Sauerteig (Matthäus 13,33: *„Das Himmelreich ist gleich einem Sauerteig„*): Stille, unsichtbare Durchdringung — das Evangelium verändert von innen heraus.

Das Reich und die Gnade

  • Der verlorene Sohn (Lukas 15,20: *„Und er machte sich auf und kam zu seinem Vater. Da er aber noch ferne von dannen war, sah ihn sein Vater und jammerte ihn, lief und fiel ihm um den Hals und küsste ihn.“*): Das vollkommenste Bild der Gnade — der Vater läuft dem Sünder entgegen, noch bevor dieser sein Bekenntnis aussprechen kann.
  • Die Arbeiter im Weinberg (Matthäus 20,16: *„Also werden die Letzten die Ersten und die Ersten die Letzten sein.„*): Gnade rechnet nicht nach menschlicher Leistung, sondern nach göttlicher Großzüigkeit.
  • Der Pharisäer und der Zöllner (Lukas 18,14: *„Dieser ging hinab gerechtfertigt in sein Haus vor jenem.“*): Rechtfertigung kommt nicht durch Selbstgerechtigkeit, sondern durch demütiges Flehen um Gnade.

Das Reich und das Gericht

  • Das Unkraut unter dem Weizen (Matthäus 13,30: *„Lasset beides miteinander wachsen bis zur Ernte„*): Gläubige und Ungläubige existieren nebeneinander bis zum Gericht.
  • Die zehn Jungfrauen (Matthäus 25,13: *„Darum wachet; denn ihr wisset weder Tag noch Stunde, in welcher des Menschen Sohn kommen wird.“*): Bereitschaft für die Wiederkunft ist unaufschiebbar.

Die Wunder Jesu

Die Wunder (griech. *sēmeia* — Zeichen) Jesu sind keine bloßen Machtdemonstrationen. Jedes Zeichen offenbart, *wer* er ist. Johannes 20,31: *„Diese aber sind geschrieben, dass ihr glaubet, Jesus sei Christus, der Sohn Gottes, und dass ihr durch den Glauben das Leben habet in seinem Namen.„*

Die Evangelien berichten von etwa fünfunddreißig einzeln beschriebenen Wundern und sprechen zudem summarisch von vielen weiteren: Johannes 21,25: *„Es sind auch viele andere Dinge, die Jesus getan hat; so sie aber sollten eins nach dem andern geschrieben werden, achte ich, die Welt würde die Bücher nicht begreifen, die zu schreiben wären.“* Jedes Wunder ist ein Zeichen des anbrechenden Reiches Gottes — eine Vorschau auf die zukünftige Erneuerung aller Dinge, in der Krankheit, Tod, Hunger und Chaos endgültig besiegt sein werden.

Überblick nach Kategorien

Herrschaft über die Natur

  • Verwandlung von Wasser zu Wein (Kana): Johannes 2,11: *„Das ist das erste Zeichen, das Jesus tat, geschehen zu Kana in Galiläa, und offenbarte seine Herrlichkeit.„* — Der Schöpfer verwandelt die Materie. Wasser wird zu Wein — ein Bild des Neuen Bundes.
  • Stillung des Sturms: Markus 4,39: *„Und er stand auf und bedrohte den Wind und sprach zu dem Meer: Schweig und verstumme! Und der Wind legte sich, und es ward eine große Stille.“* — Die Jünger fragen: Markus 4,41: *„Wer ist der? denn auch Wind und Meer sind ihm gehorsam.„* Nur Gott gebietet dem Meer: Psalm 89,10: *„Du herrschest über das ungestüme Meer; seine erhobenen Wellen stillst du.“*
  • Wandeln auf dem Wasser: Matthäus 14,25: *„Aber in der vierten Nachtwache kam Jesus zu ihnen und wandelte auf dem Meer.„* — Vgl. Hiob 9,8: *„der allein den Himmel ausbreitet und geht auf den Wogen des Meers.“*
  • Speisung der Fünftausend: Johannes 6,11: *„Jesus aber nahm die Brote, dankte und gab sie den Jüngern.„* — Fünf Gerstenbrote und zwei Fische für fünftausend, mit zwölf Körben Rest — ein Zeichen, dass er das Brot des Lebens ist.

Herrschaft über Krankheit und Tod

  • Heilung des Blindgeborenen: Johannes 9,7: *„Gehe hin, wasche dich im Teich Siloah. Da ging er hin und wusch sich und kam sehend.“* — Er ist das Licht, das die Blinden sehend macht.
  • Heilung des Aussätzigen: Markus 1,41: *„Und es jammerte Jesum und reckte die Hand aus, rührte ihn an und sprach zu ihm: Ich will's tun; sei gereinigt!„* — Er berührt den Unreinen und wird nicht unrein, sondern der Unreine wird rein.
  • Auferweckung des Lazarus: Johannes 11,43–44: *„rief er mit lauter voice: Lazarus, komm heraus! Und der Verstorbene kam heraus.“* — Demonstration seiner Herrschaft über den Tod, Vorschau auf die allgemeine Auferstehung.
  • Auferweckung der Tochter des Jairus: Markus 5,41: *„Und er ergriff das Kind bei der Hand und sprach zu ihr: Talitha kumi! das ist verdolmetscht: Mägdlein, ich sage dir, stehe auf!„*
  • Auferweckung des Jünglings von Nain: Lukas 7,14–15: *„Jüngling, ich sage dir, stehe auf! Und der Tote richtete sich auf und fing an zu reden.“*

Die drei Auferweckungen zeigen eine Steigerung: ein eben erst gestorbenes Mädchen (Jairus' Tochter), ein Jüngling auf dem Weg zum Grab (Nain) und ein vier Tage lang verwester Toter (Lazarus; Johannes 11,39: *„HERR, er stinkt schon; denn er ist vier Tage gelegen.„*). Keine Stufe des Todes widersteht seinem Wort.

Herrschaft über die Geisterwelt

  • Der Besessene von Gadara: Markus 5,8: *„Denn er sprach zu ihm: Fahre aus, du unsauberer Geist, von dem Menschen!“* — Die Dämonen gehorchen ihm *sofort*, sie kennen seine Identität: Markus 5,7: *„Jesus, du Sohn Gottes, des Allerhöchsten, ich beschwöre dich bei Gott, dass du mich nicht quälest!„*

Herrschaft über Schuld und Sünde

  • Heilung des Gichtbrüchigen: Markus 2,5: *„Da nun Jesus ihren Glauben sah, sprach er zu dem Gichtbrüchigen: Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben.“* — Die Schriftgelehrten erkennen richtig: *Wer kann Sünden vergeben denn allein Gott?* (V. 7). Und genau das ist der Punkt: Jesus beansprucht göttliche Vollmacht.

Die Verklärung auf dem Berg

Matthäus 17, 1-2 (Luther 1912) Und nach sechs Tagen nahm Jesus zu sich Petrus und Jakobus und Johannes, seinen Bruder, und führte sie beiseits auf einen hohen Berg. Und er ward verklärt vor ihnen, und sein Angesicht leuchtete wie die Sonne, und seine Kleider wurden weiß als ein Licht.

Auf dem Berg der Verklärung riss die Hülle der Kenosis für einen kurzen Moment auf, und die Jünger sahen die verborgene Herrlichkeit des Sohnes Gottes hindurchbrechen. Das griechische Wort *metemorphōthē* (μετεμορφώθη, „er wurde umgestaltet„) beschreibt nicht eine äußerliche Verkleidung, sondern das Sichtbarwerden dessen, was *innerlich immer schon da war* — seine göttliche *morphē* (Gestalt), von der Philipper 2,6 (*„welcher, ob er wohl in göttlicher Gestalt war“*) spricht.

Mose und Elija erscheinen neben ihm — das Gesetz und die Propheten versammeln sich um den, den sie seit Jahrhunderten bezeugen. Lukas 9,31: *„die erschienen in Klarheit und redeten von seinem Ausgang, welchen er sollte erfüllen zu Jerusalem.„* Sie sprachen über seinen *Ausgang* (griech. *exodos*) — sein Sterben in Jerusalem wird als *Exodus* bezeichnet: eine Befreiung, die den Exodus Israels aus Ägypten unendlich übertrifft.

Dann die voice des Vaters: Matthäus 17,5: *„Dies ist mein lieber Sohn, an welchem ich Wohlgefallen habe; den sollt ihr hören!“* — Die Anweisung „den sollt ihr hören„ bestätigt Jesus als den Propheten wie Mose (5. Mose 18,15: *„dem sollt ihr gehorchen“*). Petrus wollte drei Hütten bauen — eine für Jesus, eine für Mose, eine für Elija — als seien sie gleichrangig. Die Wolke des Vaters und seine voice korrigieren: Es gibt nur *einen*, auf den zu hören ist.


Das vollkommene Opfer am Kreuz

Das gesamte alttestamentliche Opfersystem (mit all seinen strengen Vorschriften über reines Blut und makellose Tiere) war lediglich ein pädagogischer Wegweiser auf Golgatha. Hebräer 10,1: *„Denn das Gesetz hat nur den Schatten von den zukünftigen Gütern, nicht das Wesen der Güter selbst.„*

Johannes der Täufer erkannte dies sofort, als er am Jordan ausrief:

Johannes 1, 29 (Luther 1912) Des andern Tages sieht Johannes Jesum zu ihm kommen und spricht: Siehe, das ist Gottes Lamm, welches der Welt Sünde trägt!

Als das ultimative Lamm Gottes trug er am Kreuz die Sünde der Welt. Sein Tod und seine leibhaftige Auferstehung am dritten Tag brachten die endgültige Erlösung und machten den Weg frei für die unverdiente Gnade und die Rechtfertigung des Sünders allein aus Glauben.

Gethsemane — Der Kelch des Zornes

Bevor das Kreuz kam, betete Jesus in Gethsemane:

Lukas 22, 42-44 (Luther 1912) Vater, willst du, so nimm diesen Kelch von mir; doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe! Es erschien ihm aber ein Engel vom Himmel und stärkte ihn. Und es kam, dass er mit dem Tode rang und betete heftiger. Es ward aber sein Schweiß wie Blutstropfen, die fielen auf die Erde.

Der *Kelch* (griech. *potērion*) ist im Alten Testament ein feststehender Ausdruck für den *Zorn Gottes*: Jesaja 51,17: *„Wach auf, wach auf, stehe auf, Jerusalem, die du von der Hand des HERRN getrunken hast den Kelch seines Grimmes!“* und Jeremia 25,15: *„Nimm diesen Becher Weins voll Zorns von meiner Hand und schenke daraus allen Völkern.„* Der Kelch, vor dem Jesus zurückschreckte, war nicht der physische Schmerz der Kreuzigung — es war der *Zorn des heiligen Gottes über die Sünde der gesamten Menschheit*, den er als Stellvertreter trinken musste. Das Blut-Schwitzen (medizinisch *Hämatidrosis* — ein Phänomen extremsten Stresses) bezeugt die unvorstellbare Last, die auf ihn zukam.

Die sieben Worte Jesu am Kreuz

In den letzten Stunden seines irdischen Lebens sprach Jesus sieben Worte vom Kreuz herab. Zusammen ergeben sie ein vollständiges Zeugnis seines Charakters, seines Werkes und seiner Person:

Nr. Wort Schriftstelle Bedeutung
1 *„Vater, vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun!“* Lukas 23,34: *„Vater, vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun!„* Vergebung — selbst im Moment des größten Unrechts
2 *„Heute wirst du mit mir im Paradiese sein.“* Lukas 23,43: *„Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradiese sein.„* Gnade — Rettung in der letzten Sekunde, ohne Werke, allein aus Glauben
3 *„Weib, siehe, das ist dein Sohn! … Siehe, das ist deine Mutter!“* Johannes 19,26–27: *„Da nun Jesus seine Mutter sah und den Jünger dabeistehen, den er lieb hatte, spricht er zu seiner Mutter: Weib, siehe, das ist dein Sohn! Darnach spricht er zu dem Jünger: Siehe, das ist deine Mutter!„* Fürsorge — selbst sterbend sorgt er für die Seinen
4 *„Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“* Matthäus 27,46: *„Eli, Eli, lama asabthani? das ist: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?„* Gottverlassenheit — er trägt die volle Wucht des Gerichts als Stellvertreter; zugleich Zitat von Psalm 22,2, dessen Ende in Triumph mündet
5 *„Mich dürstet.“* Johannes 19,28: *„Darnach, als Jesus wusste, dass schon alles vollbracht war, spricht er, damit die Schrift erfüllet würde: Mich dürstet.„* Wahre Menschheit — und zugleich Erfüllung von Psalm 69,22 (*„und Essig zu trinken in meinem großen Durst“*)
6 *„Es ist vollbracht!„* Johannes 19,30: *„Da nun Jesus den Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht!“* *Tetelestai* (griech.) — „die Schuld ist bezahlt„. Dieses Wort wurde auf antiken Quittungen geschrieben, wenn eine Schuld *vollständig beglichen* war. Das gesamte Erlösungswerk ist komplett.
7 *„Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände!“* Lukas 23,46: *„Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände!„* Vertrauen — er stirbt nicht als Opfer der Umstände, sondern in souveräner Hingabe an den Vater; Zitat von Psalm 31,6 (*„In deine Hände befehle ich meinen Geist“*)

Das erste Wort und das letzte Wort beginnen beide mit „Vater„ — die Klammer der Gottessohnschaft umschließt die Finsternis des Kreuzes. Das vierte Wort (die Gottverlassenheit) steht exakt in der Mitte — im Zentrum des Kreuzes steht das Zentrum des Evangeliums: der Sündlose, der an unserer Stelle die Trennung von Gott erleidet.

Was am Kreuz geschah — die theologische Bedeutung

  • Stellvertretung (Substitution): 2. Korinther 5,21: *„Denn er hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht, auf dass wir würden in ihm die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt.“* — Der Sündlose wird zur Sünde; die Sündigen werden zur Gerechtigkeit. Dies ist der *große Tausch* (lat. *admirabile commercium*): Er nahm unsere Sünde und gab uns seine Gerechtigkeit. Jesaja 53,5: *„Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilet.„*
  • Versöhnung (Reconciliation): Römer 5,10: *„Denn so wir Gott versöhnt sind durch den Tod seines Sohnes, da wir noch Feinde waren“* — Die Feindschaft zwischen Gott und Mensch ist beendet. 2. Korinther 5,19: *„Denn Gott war in Christo und versöhnte die Welt mit ihm selber.„*
  • Erlösung (Redemption): 1. Petrus 1,18–19: *„Sintemal ihr wisst, dass ihr nicht mit vergänglichem Silber oder Gold erlöst seid von eurem eitlen Wandel nach väterlicher Weise, sondern mit dem teuren Blut Christi als eines unschuldigen und unbefleckten Lammes“* — Loskauf aus der Sklaverei der Sünde. Das griechische *lutróō* (λυτρόω) stammt aus dem Sklavenmarkt: Ein Preis wird gezahlt, und der Sklave geht frei. Markus 10,45: *„Denn auch des Menschen Sohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben zur Bezahlung für viele.„*
  • Sühne (Propitiation): Römer 3,25: *„welchen Gott hat vorgestellt zu einem Gnadenstuhl durch den Glauben in seinem Blut“* — Gottes gerechter Zorn über die Sünde wird gestillt. Das griechische *hilastērion* (ἱλαστήριον) ist dasselbe Wort, das die Septuaginta für den Gnadenthron (die Deckplatte der Bundeslade) verwendet, auf die am Versöhnungstag das Blut gesprengt wurde. Christus *ist* der Gnadenthron, auf dem das Blut der ewigen Sühne ruht.
  • Rechtfertigung (Justification): Römer 3,24: *„und werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade durch die Erlösung, so durch Christum Jesum geschehen ist.„* Allein aus Gnade (*Sola Gratia*), allein durch Glauben (*Sola Fide*), allein um Christi willen (*Solus Christus*): Römer 5,1: *„Nun wir denn sind gerecht geworden durch den Glauben, so haben wir Frieden mit Gott durch unsern HERRN Jesus Christus.“*
  • Der zerrissene Vorhang: Matthäus 27,51: *„Und siehe, der Vorhang im Tempel zerriss in zwei Stücke von obenan bis untenaus.„* — Von oben nach unten — *Gott* riss den Vorhang. Der Zugang zum Allerheiligsten ist für jeden Gläubigen geöffnet. Hebräer 10,19: *„So wir denn nun haben, liebe Brüder, die Freudigkeit zum Eingang in das Heilige durch das Blut Jesu.“*
  • Sieg über die Mächte: Kolosser 2,14–15: *„und hat ausgetilgt die Handschrift, so wider uns war, welche durch Satzungen entstand und uns entgegen war, und hat sie aus dem Mittel getan und an das Kreuz geheftet. Und hat ausgezogen die Fürstentümer und die Gewaltigen und sie schaugetragen öffentlich und einen Triumph aus ihnen gemacht durch sich selbst.„* — Am Kreuz triumphierte Christus über Satan und alle finsteren Mächte — nicht *trotz* des Kreuzes, sondern *durch* das Kreuz.

Die Auferstehung

Die leibhaftige Auferstehung Jesu Christi am dritten Tag ist das Fundament des christlichen Glaubens. 1. Korinther 15,17: *„Ist Christus nicht auferstanden, so ist euer Glaube eitel, so seid ihr noch in euren Sünden.“*

Die Zeugen der Auferstehung

Paulus überliefert die älteste Liste der Auferstehungszeugen:

1. Korinther 15, 5-8 (Luther 1912) und dass er gesehen worden ist von Kephas, darnach von den Zwölfen. Darnach ist er gesehen worden von mehr denn fünfhundert Brüdern auf einmal, deren noch viele leben, etliche aber sind entschlafen. Darnach ist er gesehen worden von Jakobus, darnach von allen Aposteln. Am letzten nach allen ist er auch von mir als einer unzeitigen Geburt gesehen worden.

Das leere Grab allein beweist die Auferstehung noch nicht — es sind die *Begegnungen* mit dem Auferstandenen, die den Glauben begründen. Der Auferstandene aß Fisch (Lukas 24,42–43: *„Und sie legten ihm vor ein Stück von gebratenem Fisch und Honigseim. Und er nahm's und aß vor ihnen.„*), er lud Thomas ein, seine Wundmale zu berühren (Johannes 20,27: *„Reiche deine Hand her und lege sie in meine Seite“*), er wanderte mit zwei Jüngern nach Emmaus (Lukas 24,13-35). Dies war kein Geist, kein Phantom — sondern ein leibhaftiger, verherrlichter, aber realer Körper.

Die Bedeutung der Auferstehung

  • Bestätigung seiner Gottheit: Römer 1,4: *„und kräftiglich erwiesen als ein Sohn Gottes nach dem Geist, der da heiliget, seit der Zeit, da er auferstanden ist von den Toten„*
  • Rechtfertigung der Gläubigen: Römer 4,25: *„welcher ist um unsrer Sünden willen dahingegeben und um unsrer Rechtfertigung willen auferweckt.“* — Wäre er im Grab geblieben, wäre die Schuld nicht bezahlt. Die Auferstehung ist Gottes Quittung: das Opfer ist angenommen, die Schuld ist getilgt.
  • Erstlingsfrucht der allgemeinen Auferstehung: 1. Korinther 15,20: *„Nun aber ist Christus auferstanden von den Toten und der Erstling geworden unter denen, die da schlafen.„* — Der *Erstling* (griech. *aparchē*) ist die erste Garbe der Ernte, die die gesamte kommende Ernte garantiert und repräsentiert (vgl. die *Erstlingsgarbe* in den Festen Israels). Christi Auferstehung garantiert die Auferstehung aller, die ihm gehören.
  • Sieg über den Tod: 1. Korinther 15,55–57: *„Tod, wo ist dein Stachel? Hölle, wo ist dein Sieg? Aber der Stachel des Todes ist die Sünde; die Kraft aber der Sünde ist das Gesetz. Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gegeben hat durch unsern HERRN Jesus Christus!“*
  • Neues Leben für die Gläubigen: Römer 6,4: *„So sind wir ja mit ihm begraben durch die Taufe in den Tod, auf dass, gleichwie Christus ist auferweckt von den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters, also sollen auch wir in einem neuen Leben wandeln.„* — Die Auferstehung Christi ist nicht nur ein vergangenes Ereignis, sondern die Grundlage eines neuen Lebens *jetzt*.

Die Himmelfahrt und Erhöhung

Apostelgeschichte 1,9: *„Und da er solches gesagt, ward er aufgehoben zusehends, und eine Wolke nahm ihn auf vor ihren Augen weg.“* Vierzig Tage nach der Auferstehung fuhr Christus sichtbar gen Himmel auf. Die Himmelfahrt ist kein Ende, sondern ein Übergang: vom irdischen Dienst zum himmlischen Dienst.

Hebräer 1,3: *„und hat sich gesetzt zu der Rechten der Majestät in der Höhe„* — Das Sitzen zur Rechten Gottes bedeutet: Das Erlösungswerk ist *vollendet* (im Gegensatz zu den Priestern im Alten Testament, die immer stehen mussten, weil ihr Werk nie fertig war — Hebräer 10,11–12: *„Und ein jeglicher Priester ist eingesetzt, dass er alle Tage Gottesdienst pflege und oftmals einerlei Opfer tue, welche nimmermehr können die Sünden abnehmen. Dieser aber, da er ein Opfer für die Sünden geopfert hat, das ewiglich gilt, hat er sich gesetzt zur Rechten Gottes“*).

Die Himmelfahrt bedeutet zugleich den Beginn seines Dienstes als himmlischer Fürsprecher: Römer 8,34: *„Christus ist hier, der gestorben ist, ja vielmehr, der auch auferweckt ist, welcher ist zur Rechten Gottes und vertritt uns.„* Und: 1. Johannes 2,1: *„Und ob jemand sündigt, so haben wir einen Fürsprecher bei dem Vater, Jesum Christum, der gerecht ist.“* Er ist nicht fern — er ist *aktiv* für die Seinen tätig, in diesem Moment, in der Gegenwart des Vaters.

Die Himmelfahrt ermöglichte auch die Sendung des Heiligen Geistes: Johannes 16,7: *„Es ist euch gut, dass ich hingehe. Denn so ich nicht hingehe, so kommt der Tröster nicht zu euch; so ich aber gehe, will ich ihn zu euch senden.„* Die *Abwesenheit* des Sohnes in leiblicher Gestalt ist die Voraussetzung für die *Gegenwart* des Geistes in jedem Gläubigen — eine tiefere, innigere Nähe als die physische Nähe der Jünger zu Jesus während seines irdischen Wirkens.


Der ewige Hohepriester

Jesus Christus erfüllt nicht nur das Amt des Propheten und des ewigen Königs (als Nachkomme aus dem Haus von David), sondern er ist auch der vollkommene Hohepriester.

Wie der Hebräerbrief detailliert entfaltet, fungiert er nicht nach der irdischen, fehlerhaften Ordnung von Aaron, sondern nach der ewigen Ordnung von Melchisedek:

Hebräer 7, 24-25 (Luther 1912) Dieser aber, darum dass er ewiglich bleibt, hat er ein unvergängliches Priestertum. Daher kann er auch selig machen immerdar, die durch ihn zu Gott kommen, und lebt immerdar und bittet für sie.

Er hat das wahre, himmlische Heiligtum betreten. Nicht mit dem Blut von Tieren, sondern wie es in Hebräer 9,12 (*„auch nicht durch der Böcke oder Kälber Blut, sondern durch sein eigen Blut einmal in das Heilige eingegangen und hat eine ewige Erlösung erfunden“*) geschrieben steht, hat er ein Priestertum etabliert, das niemals vergeht.

Die Überlegenheit des Priestertums Christi

Aaronische Priester Christus als Hohepriester
Viele Priester nacheinander, weil sie starben (Hebräer 7,23: *„jener sind viele, die Priester wurden, darum dass sie der Tod nicht bleiben ließ„*) Einer, der ewig bleibt
Mussten zuerst für eigene Sünden opfern (Hebräer 7,27: *„der nicht täglich bedürfte, wie jene Hohenpriester, zuerst für seine eigenen Sünden Opfer zu tun“*) Sündlos, brauchte kein Opfer für sich selbst
Opferten Tierblut, das Sünden nicht *wegnehmen* konnte (Hebräer 10,4: *„Denn es ist unmöglich, durch Ochsen- und Bocksblut Sünden wegzunehmen„*) Opferte sein eigenes Blut, das Sünden *ein für alle Mal* tilgt
Dienten in einem irdischen Heiligtum (einer Kopie) Dient im himmlischen Heiligtum, dem Original (Hebräer 9,24: *„Denn Christus ist nicht eingegangen in das Heilige, so mit Händen gemacht ist, sondern in den Himmel selbst“*)
Standen beim Dienst (das Werk war nie vollendet) Sitzt zur Rechten Gottes (das Werk ist vollendet)
Traten einmal jährlich ins Allerheiligste Trat *ein für alle Mal* ein (Hebräer 9,12: *„einmal in das Heilige eingegangen und hat eine ewige Erlösung erfunden„*)

Das dreifache Amt Christi (Munus Triplex)

Amt Funktion Alttestamentlicher Typus Schriftbeleg
Prophet Offenbart Gottes Willen und Wahrheit Mose, Elija 5. Mose 18,15: *„Einen Propheten wie mich wird dir der HERR, dein Gott, erwecken“* / Hebräer 1,1–2: *„Nachdem vorzeiten Gott manchmal und mancherleiweise geredet hat zu den Vätern durch die Propheten, hat er am letzten in diesen Tagen zu uns geredet durch den Sohn„*
Priester Vertritt die Menschen vor Gott; bringt das Opfer; lebt, um Fürbitte zu tun Melchisedek, Aaron Hebräer 7,25: *„Daher kann er auch selig machen immerdar, die durch ihn zu Gott kommen, und lebt immerdar und bittet für sie.“*
König Herrscht in Gerechtigkeit über sein Volk und über alle Mächte David, Salomo Offenbarung 19,16: *„Ein König aller Könige und ein HERR aller Herren„* / Lukas 1,33: *„und er wird ein König sein über das Haus Jakob ewiglich, und seines Königreiches wird kein Ende sein.“*

Im AT waren diese drei Ämter streng getrennt: Propheten stammten aus verschiedenen Stämmen, Priester ausschließlich aus Levi, Könige aus Juda. Kein Mensch durfte zwei dieser Ämter gleichzeitig bekleiden. Als König Usia versuchte, im Tempel zu räuchern (ein priesterliches Vorrecht), wurde er mit Aussatz geschlagen (2. Chronik 26,19: *„da fuhr der Aussatz aus an seiner Stirn vor den Priestern„*). Erst in Christus vereinigen sich alle drei Ämter in einer Person — weil er sowohl aus dem königlichen Stamm Juda (durch seinen Adoptivvater Joseph) als auch Priester nach einer *anderen* Ordnung ist: der ewigen Ordnung Melchisedeks, der sowohl König von Salem als auch Priester des höchsten Gottes war (Hebräer 7,1: *„Dieser Melchisedek aber war ein König zu Salem, ein Priester Gottes, des Allerhöchsten“*).


Der Neue Bund in Christi Blut

Beim letzten Passahmahl stiftete Jesus den Neuen Bund:

Lukas 22, 19-20 (Luther 1912) Und er nahm das Brot, dankte und brach's und gab's ihnen und sprach: Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird; das tut zu meinem Gedächtnis. Desselbigengleichen auch den Kelch nach dem Abendmahl und sprach: Dieser Kelch ist das neue Testament in meinem Blut, das für euch vergossen wird.

Dieser Neue Bund war von Jeremia prophezeit worden:

Jeremia 31, 31-34 (Luther 1912) Siehe, es kommt die Zeit, spricht der HERR, da will ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund machen; nicht wie der Bund gewesen ist, den ich mit ihren Vätern machte, da ich sie bei der Hand nahm, dass ich sie aus Ägyptenland führte, welchen Bund sie nicht gehalten haben … Sondern das soll der Bund sein, den ich mit dem Hause Israel machen will nach dieser Zeit, spricht der HERR: Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und sie sollen mein Volk sein, und ich will ihr Gott sein. Und wird keiner den andern, noch ein Bruder den andern lehren und sagen: Erkenne den HERRN; sondern sie sollen mich alle kennen, beide, klein und groß, spricht der HERR. Denn ich will ihnen ihre Missetat vergeben und ihrer Sünde nimmermehr gedenken.

Der Neue Bund unterscheidet sich fundamental vom Alten:

Alter Bund (Mose) Neuer Bund (Christus)
Gesetz auf Steintafeln geschrieben Gesetz ins Herz geschrieben (Hebräer 8,10: *„Ich will mein Gesetz in ihren Sinn geben und in ihr Herz will ich es schreiben„*)
Besiegelt mit Tierblut (2. Mose 24,8: *„Da nahm Mose das Blut und besprengte das Volk“*) Besiegelt mit dem Blut Christi (Hebräer 9,14: *„wie viel mehr wird das Blut Christi … unser Gewissen reinigen„*)
Äußerlicher Gehorsam gefordert Innere Erneuerung geschenkt
Konnte die Sünde nicht *wegnehmen* Vergebung: „ihrer Sünden will ich nicht mehr gedenken“ (Hebräer 10,17: *„und ihrer Sünden und ihrer Ungerechtigkeit will ich nicht mehr gedenken.„*)
Durch einen *sterblichen* Mittler (Mose) Durch einen *ewigen* Mittler (Hebräer 9,15: *„Und darum ist er auch ein Mittler des neuen Testaments“*)

Christus in jedem Buch der Bibel

Der auferstandene Jesus sagte zu den Jüngern auf dem Weg nach Emmaus: Lukas 24,27: *„Und fing an von Mose und allen Propheten und legte ihnen alle Schriften aus, die von ihm gesagt waren.„* Die gesamte Bibel handelt von ihm. Hier ein Überblick, wie Christus in *jedem* Buch der Schrift gegenwärtig ist:

Das Alte Testament

Buch Christus als …
1. Mose Der Same der Frau (3,15); der Nachkomme Abrahams (22,18)
2. Mose Das Passahlamm (12); der Fels, der Wasser gibt (17,6)
3. Mose Der Hohepriester; das makellose Opfer in jedem Opfergesetz
4. Mose Die eherne Schlange (21,9); der Stern aus Jakob (24,17)
5. Mose Der Prophet wie Mose (18,15)
Josua Der Hauptmann des Heeres des HERRN (5,14); *Jeschua* — gleicher Name wie Jesus
Richter Der göttliche Richter und Befreier in jedem Rettungszyklus
Ruth Der lösende Verwandte (Boas als Typus)
1. Samuel Der von Gott gesalbte König (Gegenbild zu Saul)
2. Samuel Der Sohn Davids mit ewigem Thron (7,12-16)
1. Könige Der weise König (größer als Salomo; Matthäus 12,42: *„und siehe, hier ist mehr denn Salomo“*)
2. Könige Der Prophet, der Macht über Krankheit und Tod hat (vgl. Elisa)
1. Chronik / 2. Chronik Der Thronerbe Davids durch alle Geschlechter
Esra / Nehemia Der Wiederhersteller des Zerstörten; der Erbauer der Mauern des neuen Jerusalem
Esther Der verborgene Retter seines Volkes (Gottes Name wird nicht genannt, aber seine Hand ist überall)
Hiob Der lebendige Erlöser: Hiob 19,25: *„Aber ich weiß, dass mein Erlöser lebt, und er wird mich hernach aus der Erde auferwecken.„*
Psalmen Der leidende Gerechte (Ps. 22); der ewige König (Ps. 2; 110); der gute Hirte (Ps. 23); der Eckstein (Ps. 118,22)
Sprüche Die ewige Weisheit Gottes (Kap. 8)
Prediger Der Geber des Sinns über aller Vergänglichkeit
Hohelied Der himmlische Bräutigam der Seele
Jesaja Der Immanuel (7,14); der leidende Gottesknecht (Kap. 53); der Friedefürst (9,5)
Jeremia Der HERR unsre Gerechtigkeit (23,6); der Stifter des Neuen Bundes (31,31-34)
Klagelieder Der weinende Prophet über Jerusalem (vgl. Lukas 19,41: *„Und als er nahe hinzukam, sah er die Stadt an und weinte über sie“*)
Hesekiel Der wahre Hirte Israels (Kap. 34); die Herrlichkeit Gottes, die wiederkehrt (Kap. 43)
Daniel Der Menschensohn (7,13-14); der Stein, der alle Reiche zermalmt (2,44-45)
Hosea Der treue Ehemann des untreuen Volkes; der aus Ägypten Gerufene (11,1)
Joel Der Ausgießer des Geistes (3,1-2)
Amos Der Wiedererrichter der Hütte Davids (9,11)
Obadja Der Richter der Völker
Jona Das Zeichen des Jona — drei Tage im Grab (Matthäus 12,40: *„also wird des Menschen Sohn drei Tage und drei Nächte in der Erde Herz sein„*)
Micha Der ewige Herrscher aus Bethlehem (5,1)
Nahum Der Rächer, der sein Volk befreit
Habakuk Der Gerechte, durch den man aus Glauben lebt (Römer 1,17: *„Der Gerechte wird aus Glauben leben“*)
Zephanja Der mächtige Held, der sich freut (3,17)
Haggai Die Sehnsucht aller Heiden (2,7)
Sacharja Der durchbohrte König (12,10); der demütige König auf dem Esel (9,9); der geschlagene Hirte (13,7)
Maleachi Die Sonne der Gerechtigkeit mit Heil unter ihren Flügeln (3,20)

Das Neue Testament

Buch Christus als …
Matthäus Der verheißene König Israels, Sohn Davids
Markus Der leidende Knecht Gottes
Lukas Der vollkommene Mensch, Freund der Sünder und Ausgestoßenen
Johannes Der ewige Sohn Gottes, das Wort, das Fleisch ward
Apostelgeschichte Der aufgefahrene Herr, der durch seinen Geist wirkt
Römer Unsere Gerechtigkeit (3,21-26)
1. Korinther Der Erstling der Auferstehung (Kap. 15)
2. Korinther Unser Trost in allem Leiden (1,3-5)
Galater Unser Befreier vom Gesetz (5,1)
Epheser Das Haupt der Gemeinde (1,22-23)
Philipper Der sich Entäußernde und darum Erhöhte (2,5-11)
Kolosser Das Ebenbild des unsichtbaren Gottes (1,15), in dem alle Fülle wohnt
1. Thessalonicher Der wiederkommende Herr (4,16-17)
2. Thessalonicher Der Richter bei seiner Wiederkunft (1,7-10)
1. Timotheus Der einzige Mittler (2,5)
2. Timotheus Der gerechte Richter, der die Krone gibt (4,8)
Titus Unser großer Gott und Heiland (2,13)
Philemon Der Fürsprecher und Schuldübernehmer (V. 18-19; wie Christus unsere Schuld auf sich nahm)
Hebräer Der ewige Hohepriester nach der Ordnung Melchisedeks
Jakobus Der Herr der Herrlichkeit (2,1)
1. Petrus Das kostbare Blut des makellosen Lammes (1,19)
2. Petrus Der Herr, der geduldig auf Umkehr wartet (3,9)
1. Johannes Das ewige Leben, das beim Vater war und erschienen ist (1,2)
2. Johannes Der wahrhaftig im Fleisch Gekommene (V. 7)
3. Johannes Die Wahrheit selbst (V. 4)
Judas Der alleinige Herrscher, der vor dem Straucheln bewahrt (V. 24-25)
Offenbarung Der König der Könige und Herr der Herren; Alpha und Omega; der wiederkommende Richter und Bräutigam

Die Wiederkunft Christi

Die Schrift verheißt unmissverständlich eine leibhaftige, sichtbare, herrliche Wiederkunft Jesu Christi.

Die Verheißung

  • Apostelgeschichte 1,11: *„Dieser Jesus, welcher von euch ist aufgenommen gen Himmel, wird kommen, wie ihr ihn gesehen habt gen Himmel fahren.„*
  • Johannes 14,3: *„Und wenn ich hingehe euch die Stätte zu bereiten, so will ich wiederkommen und euch zu mir nehmen, auf dass ihr seid, wo ich bin.“*
  • Hebräer 9,28: *„also ist Christus einmal geopfert, wegzunehmen vieler Sünden; zum andernmal wird er ohne Sünde erscheinen denen, die auf ihn warten, zur Seligkeit.„*

Die Art seiner Wiederkunft

Matthäus 24, 30-31 (Luther 1912) Und alsdann wird erscheinen das Zeichen des Menschensohnes im Himmel. Und alsdann werden heulen alle Geschlechter auf Erden und werden sehen kommen des Menschen Sohn in den Wolken des Himmels mit großer Kraft und Herrlichkeit. Und er wird senden seine Engel mit hellen Posaunen, und sie werden sammeln seine Auserwählten von den vier Winden, von einem Ende des Himmels zum andern.
Offenbarung 19, 11-16 (Luther 1912) Und ich sah den Himmel aufgetan; und siehe, ein weißes Pferd. Und der darauf saß, hieß Treu und Wahrhaftig, und er richtet und streitet mit Gerechtigkeit. Seine Augen sind wie eine Feuerflamme, und auf seinem Haupt viel Kronen; und er hatte einen Namen geschrieben, den niemand wusste denn er selbst. Und war angetan mit einem Kleide, das mit Blut besprengt war; und sein Name heißt das Wort Gottes. Und ihm folgte nach das Heer im Himmel auf weißen Pferden, angetan mit weißer und reiner Leinwand. Und aus seinem Munde ging ein scharfes Schwert, dass er damit die Heiden schlüge; und er wird sie regieren mit eisernem Stabe; und er tritt die Kelter des Weins des grimmigen Zorns Gottes, des Allmächtigen. Und hat einen Namen geschrieben auf seinem Kleid und auf seiner Hüfte also: Ein König aller Könige und ein HERR aller Herren.

Die Auferweckung der Toten und das Gericht

1. Thessalonicher 4, 16-17 (Luther 1912) denn er selbst, der HERR, wird mit einem Feldgeschrei und der voice des Erzengels und mit der Posaune Gottes herniederkommen vom Himmel, und die Toten in Christo werden auferstehen zuerst. Darnach wir, die wir leben und übrig bleiben, werden zugleich mit denselbigen hingerückt werden in den Wolken, dem HERRN entgegen in der Luft, und werden also bei dem HERRN sein allezeit.

Jesus selbst ist der Richter aller Menschen: Johannes 5,22: *„Denn der Vater richtet niemand, sondern alles Gericht hat er dem Sohn gegeben.“* Und: Apostelgeschichte 17,31: *„darum dass er einen Tag gesetzt hat, auf welchen er richten will den Kreis des Erdbodens mit Gerechtigkeit durch einen Mann, in welchem er's beschlossen hat, und jedermann vorhält den Glauben, nachdem er ihn hat von den Toten auferweckt.„* Der, der am Kreuz gerichtet *wurde*, wird auf dem Thron *richten*.

Der erste und der zweite Advent im Kontrast

Erstes Kommen Zweites Kommen
In einer Krippe geboren Auf einem weißen Pferd reitend
In Windeln gewickelt In Herrlichkeit gekleidet
Hirten beten an Jedes Knie beugt sich (Philipper 2,10: *„dass in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind“*)
Von den Seinen verworfen Als König anerkannt
Dornenkrone Viele Kronen
Am Kreuz gerichtet Als Richter auf dem Thron
Kam, um die Sünde zu tragen Kommt ohne Sünde zur Seligkeit
Kam als Lamm Kommt als Löwe
Allein in Gethsemane Begleitet von allen Engeln (Matthäus 25,31: *„und alle heiligen Engel mit ihm„*)
Verachtet und verworfen (Jesaja 53,3: *„Er war der Allerverachtetste und Unwerteste“*) Angebetet von allen Geschöpfen (Offenbarung 5,13: *„Dem, der auf dem Stuhl sitzt, und dem Lamm sei Lob und Ehre und Preis und Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeit!„*)

Die neue Schöpfung

Die Wiederkunft mündet in die vollständige Erneuerung aller Dinge:

Offenbarung 21, 1-5 (Luther 1912) Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde verging, und das Meer ist nicht mehr. Und ich, Johannes, sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabfahren, bereitet als eine geschmückte Braut ihrem Mann. Und ich hörte eine große voice von dem Stuhl, die sprach: Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein. Und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen. Und der auf dem Stuhl saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu!

Hier schließt sich der Bogen, der in Genesis 1 begann: Der Gott, der *am Anfang* Himmel und Erde schuf, macht *am Ende* alles neu. Der Sündenfall wird rückgängig gemacht. Der Tod wird vernichtet. Tränen werden abgewischt. Die Hütte Gottes ist bei den Menschen — Immanuel, Gott mit uns, *für immer*.


Das Zeugnis über Jesus Christus — die letzten Worte der Schrift

Die Bibel endet mit einem letzten Ruf und einer letzten Verheißung. Christus selbst spricht:

Offenbarung 22, 20 (Luther 1912) Es spricht, der solches bezeugt: Ja, ich komme bald. Amen, ja komm, HERR Jesu!

Dieses *Maranatha* — *Komm, Herr!* — ist der letzte Herzschlag der gesamten Heiligen Schrift. Von der ersten Verheißung im Garten Eden (*„Derselbe soll dir den Kopf zertreten“* — 1. Mose 3,15) bis zum letzten Gebet in der Offenbarung zeichnet die Schrift einen einzigen, gewaltigen Bogen: Jesus Christus — Hebräer 13,8: *„Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit.„*


Siehe auch

Person/Jesus Christus/Sammelsurium.1780548608.txt.gz · Zuletzt geändert: von dominikwernerschmidt