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Die zwei Naturen: Wahrer Gott und wahrer Mensch
Die Schrift bezeugt unmissverständlich, dass Jesus Christus ewig existiert. Er ist das ewige Wort (der Logos), das Fleisch wurde. Wie wir in Johannes 1,1 (*„Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort„*) lesen, is er wesenseins mit dem Vater.
Durch die Menschwerdung nahm er menschliche Gestalt an, ohne seine Göttlichkeit aufzugeben. Er ist der Erstgeborene der neuen Schöpfung und das Haupt der Gemeinde:
Die volle Gottheit Christi
Die Schrift scheut sich nicht, Jesus Christus direkt *Gott* zu nennen:
- Johannes 20,28: *„Thomas antwortete und sprach zu ihm: Mein HERR und mein Gott!“* — Thomas spricht das höchste Bekenntnis, und Jesus weist es nicht zurück, sondern bestätigt es.
- Titus 2,13: *„und warten auf die selige Hoffnung und Erscheinung der Herrlichkeit des großen Gottes und unsers Heilandes Jesu Christi„* — Paulus nennt ihn *den großen Gott*.
- Römer 9,5: *„welcher ist Gott über alles, gelobt in Ewigkeit. Amen.“* — Christus wird explizit als „Gott über alles„ bezeichnet.
- Hebräer 1,8: *„Aber von dem Sohn: Gott, dein Stuhl währt von Ewigkeit zu Ewigkeit; das Zepter deines Reichs ist ein richtiges Zepter“* — Hier spricht *der Vater* den Sohn als *Gott* an.
Darüber hinaus empfängt Christus göttliche Anbetung — etwas, das Gott allein zusteht (Matthäus 4,10: *„Du sollst anbeten Gott, deinen HERRN, und ihm allein dienen.„*): Die Weisen beteten ihn an (Matthäus 2,11: *„und fielen nieder und beteten es an“*), die Jünger beteten ihn an nach der Auferstehung (Matthäus 28,17: *„und da sie ihn sahen, fielen sie vor ihm nieder„*), und die himmlischen Heerscharen beten das Lamm an (Offenbarung 5,12: *„Das Lamm, das erwürget ist, ist würdig, zu nehmen Kraft und Reichtum und Weisheit und Stärke und Ehre und Preis und Lob.“*). Zudem vergibt er Sünden — ein ausschließlich göttliches Vorrecht (Markus 2,7: *„Was redet dieser solche Gotteslästerung? Wer kann Sünden vergeben denn allein Gott?„*). Er nimmt auch den Glauben an, der allein Gott gebührt: Johannes 14,1: *„Ihr glaubet an Gott; glaubet auch an mich.“*
Die volle Menschheit Christi
Ebenso klar bezeugt die Schrift seine wahre, vollständige Menschennatur. Er war kein Geistwesen in menschlicher Verkleidung:
- Er wurde hungrig: Matthäus 4,2 (*„Und da er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, hungerte ihn.„*).
- Er wurde müde: Johannes 4,6 (*„Da war aber daselbst Jakobs Brunnen. Da nun Jesus müde war von der Reise, setzte er sich also auf den Brunnen.“*).
- Er weinte: Johannes 11,35 (*„Und Jesus gingen die Augen über.„*) — der kürzeste Vers der Bibel, doch einer der tiefsten: Gott weint mit den Trauernden.
- Er empfand Zorn: Markus 3,5 (*„Und er sah sie umher an mit Zorn und war betrübt über ihrem verstockten Herzen.“*).
- Er empfand Todesangst: Lukas 22,44 (*„Und es kam, dass er mit dem Tode rang und betete heftiger. Es ward aber sein Schweiß wie Blutstropfen, die fielen auf die Erde.„*).
- Er starb einen echten, physischen Tod: Johannes 19,30 (*„Da nun Jesus den Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht! und neigte das Haupt und verschied.“*).
- Er wuchs und entwickelte sich wie jedes menschliche Kind: Lukas 2,52 (*„Und Jesus nahm zu an Weisheit, Alter und Gnade bei Gott und den Menschen.„*).
- Er empfand echtes Mitleid: Matthäus 9,36 (*„Und da er das Volk sah, jammerte ihn desselben; denn sie waren verschmachte und zerstreut wie die Schafe, die keinen Hirten haben.“*).
- Er betete zum Vater — als echter Mensch, abhängig vom Vater: Markus 1,35 (*„Und des Morgens vor Tage stand er auf und ging hinaus. Und er ging an eine wüste Stätte und betete daselbst.„*).
Der Hebräerbrief fasst zusammen, warum diese volle Menschheit heilsnotwendig ist:
Das Wort *musste* (griech. *ōpheilen*) ist ein theologischer Schlüsselbegriff: Die Inkarnation war keine Option, sondern eine *Notwendigkeit*. Damit Christus als Hohepriester vor Gott für die Menschen eintreten konnte, musste er einer von ihnen werden. Nur ein wirklicher Mensch konnte für Menschen sterben; nur der wahre Gott konnte den unendlichen Preis der Sünde bezahlen. Hebräer 4,15 (*„Denn wir haben nicht einen Hohenpriester, der nicht könnte Mitleiden haben mit unsern Schwachheiten, sondern der versucht ist allenthalben gleichwie wir, doch ohne Sünde.“*) — In dem Zusatz „ohne Sünde„ (griech. *chōris hamartias*) liegt der entscheidende Unterschied: Er war in *allem* versucht wie wir — nur dass er niemals sündigte. Er kannte die volle Wucht der Versuchung, ohne ihr je nachzugeben.
Die Einheit der zwei Naturen
Die göttliche und die menschliche Natur sind in der einen Person Jesu Christi *unvermischt, unverwandelt, ungetrennt und ungesondert* vereint. Kolosser 2,9: *„Denn in ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig.“* Das Wort *leibhaftig* (griech. *sōmatikōs*) ist entscheidend: Nicht bloß geistlich, nicht symbolisch, sondern in einem echten menschlichen Leib wohnt die *gesamte Fülle* der Gottheit. 1. Timotheus 3,16: *„Und kündlich groß ist das gottselige Geheimnis: Gott ist offenbart im Fleisch, gerechtfertigt im Geist, erschienen den Engeln, gepredigt den Heiden, geglaubt in der Welt, aufgenommen in die Herrlichkeit.„*
Diese Einheit zeigt sich in den Evangelien in einer faszinierenden Gleichzeitigkeit: Er schläft im Boot (menschlich) und gebietet dem Sturm (göttlich; Markus 4,38–39: *„Und er war hinten auf dem Schiff und schlief auf einem Kissen. Und sie weckten ihn auf … Und er stand auf und bedrohte den Wind und sprach zu dem Meer: Schweig und verstumme!“*). Er weint am Grab des Lazarus (menschlich) und ruft den Toten heraus (göttlich; Johannes 11,35.43). Er dürstet am Kreuz (menschlich; Johannes 19,28: *„Mich dürstet.„*) und spricht dem Schächer das Paradies zu (göttlich; Lukas 23,43: *„Heute wirst du mit mir im Paradiese sein.“*). In jeder Szene handelt die *eine* Person in beiden Naturen.